Leseproben auf einem Blick

Broschüre Katherine Collins

Der Fluch von Abbington Hall Leseprobe 2019

Ein Fall von Liebe Leseprobe

Ein Schotte im Bett

Ein Schotte zu viel

Ein Schotte wider Willen

Ein Schotte für die Zukunft

Fallen for you

Heiße Nächte in Cherryoak Falls 2020

Hochzeitsplaner nicht inbegriffe 2019

Hot Ivi 2019

Liebe wider die Vernunft

Lord Everhams Spiel um die Liebe Leseprobe 2019

#loversguide 2019

Melodie der Hoffnung

Per Postkutsche ins Glück 2019

Schatten deiner Liebe 2019

Spiegel des Herzens

Tränen des Herzens

Verbotene Küsse unterm Mistelzweig 2020

Verliebt wider Willen

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Es geht wieder rund …

Das Jahr hat kaum begonnen da überschütte ich euch auch schon mit Neuigkeiten!

Ihr dürft euch auf ein turbulentes Jahr freuen mit neuen Geschichten aus den Highlands – auch historische – und natürlich auch mal wieder etwas Neues!

 

Anfangen werden wir zum Valentinstag!

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Farquhar wird das unbekannte Ziel meiner verträumten Natalia sein aber die Reise wird es in sich haben!

Bei Aldi werdet ihr Online auch fündig! Es wird exklusiv ein Bundle geben: Die ersten drei Teile meiner Reihe „Eine Hochzeit in den Highlands“ auf einmal!

Katherine Collins bei Aldi

EHIDH_Bundle_1024x640Ein Schotte für die Zukunft

 

 

 

 

 

 

 

 

Und wenn man schon mal dabei ist kann man gleich im März weiterlesen.

Noch ein Schmankerl. Für die Ungeduldigen auch Sofort bei Thalia runterzuladen und durch sein bevor andere es auf ihre Geräte bekommen!

 

Mein eigenes kleines Projekt ist ebenfalls zum Abschuss bereit, wird aber leider etwas ins Jahr rücken müssen. Ich denke, dass der April Lady Johanna gut tun wird und im Mai … ach, jetzt verrate ich schon zu viel 😉

 

Im März wird ebenfalls ein neuer Erotik-Roman unter meinem aka Kathrin Fuhrmann erscheinen.

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Wer möchte, kann mich lesen hören, die Termine stehen noch nicht fest sollten aber in der 3. Februar Woche sein und Treffen könnt ihr mich obendrein in Leipzig zur LBM!

Na wenn das keine News sind.

Bis bald,

Eure Katherine

 

 

 

 

 

♥♥ Letzter Aufruf ♥♥

eine hochzeit in den highlands twitter

Zum Überspringen 😉

Seit dem 18.05.2017 befindet sich „Eine Hochzeit in den Highlands“ nun zum Download im Amazonshop und wird auch fleißig heruntergeladen – vielen Dank dafür an meine treuen Leser und natürlich auch an jeden neuen Interessenten. Ich habe auch bereits Sterne kassiert und Kommentare. Auf Lovelybooks versuche ich tieferen Einblick in den Schaffensprozess zu dem süßen, kleinen Roman zu geben, der mein erster Ausflug in den Chick-lit Bereich ist und natürlich steckt er voller historischer Einflüsse, die meine Stammleserschaft eher mit einem Kichern quittieren wird, als die Neuhinzugekommenen, obwohl ich mich bemühe, alles stimmig abzuschließen.

Genug der langen Rede!

Bis zum 25.05.2017 könnt ihr ein Goodiepaket gewinnen, bestehend aus einigen kleinen Beauty-Materialien oder ein Schmuckstück in Cover-Optik.

Es genügt, wenn ihr mir eine Nachricht da lasst, ein kleiner Gruß, ein Kommentar oder ein Piep ;).

Hier, auf Facebook oder auch gerne per Email für die ganz Privaten.

collins.kathe@gmail.com

Am 27.05 gebe ich dann die Glücklichen bekannt, die meine Goodiebox oder den Schmuck erhalten werden!

Also, ran an die Tastatur und hinterlasst ein liebes Wort!

Alles Liebe,

Eure Katherine

Goodietime!

 

Hallo ihr Lieben!

Sicher habt Ihr mitbekommen, dass mein neuer Roman bald schon online geht.

Am 18.05, also in acht Tagen, ist es bereits soweit und ihr könnt euch ins lauschige Hinterland Schottlands entführen lassen, auch bekannt, als die Highlands …

Jene unter Euch, die schon was von  mir gelesen haben, wissen, dass mich Schottland immer mal wieder fasziniert und ich mich gerne dorthin auf den Weg mache – bzw. meine Figuren. Dabei ist Gretna Green nicht zwangsläufig das Ziel, die Reise nicht nötiger weise romantisch und der Grund derselben nicht immer erfreulich. So ist es auch bei Carolina. Ihr Besuch in den malerischen Highlands hat nur den Zweck, einen Kundenauftrag abzuarbeiten und weder Landschaft noch Einheimische – flauschig oder nicht – sind von besonderem Interesse.

Um Euch schon mal einzustimmen, verlose ich eine Kleinigkeit:

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Unter allen Kommentierenden, ob nun auf meinem Blog, Facebook oder via PM/ Email verschenke ich zwei Beautyboxen mit Nagellack und Entspannungsbad etc. und zwei Mal ein Paar Ohrringe wie in der Abbildung, sowie einen Anhänger im „Eine Hochzeit in den Highlands“- Style.

Also, ran an die Tastatur und schickt mir einen Gruß!!

 

Eure Katherine

Eine Hochzeit …

eine hochzeit in den highlands twitter

Bald ist es soweit! Am 18.05 erscheint mein neuer Roman und ich bin schon ganz hibbelig. Es ist zur Abwechslung mal kein historischer Liebesroman, sondern Chick-lit.

Natürlich komme ich nicht ganz von meinem Steckenpferd los, will heißen, meine Familien (Mannings, Beaufort, Cavendish und St. John) haben selbstredend auch Nachkommen, die bis in die Gegenwart reichen.

Noch fehlt euch die Verbindung, aber noch in diesem Jahr solltet ihr das Zwischenstück zu lesen bekommen. So viel schon mal als Spoiler: Lady Amelie Mannings (Verliebt wider Willen) kleine Schwester Lady Natalia wird Farquhar einen längeren Besuch abstatten 😉 .

Schottland ist meine geheime Leidenschaft. Bisher habe ich es nicht geschafft, mehr daraus werden zu lassen, aber noch habe ich Zeit, meinen Traum zu erfüllen und mir ein Jahr in einem süßen Cottage an der Küste von Schottland zu gönnen.

Bis dahin verweile ich bei Thomas, Argyll (Tränen des Herzens) und nun auch bei Lachlan auf dem hübschen kleinen Farquhar.

Ach ja, bleibt am Ball. Zwar plane ich keine große Releaseparty, aber ein kleines Bisschen feiern werde ich auch ….

9783960871958

Eine Hochzeit in den Highlands

Eine Liebesgeschichte auf Schottisch

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Carolina Hildebrecht ist am Boden zerstört. Eben noch war sie in einer glücklichen Beziehung, bis sich ihr Freund unerwartet nach acht Jahren von ihr trennt. Nun steht sie alleine und ohne Wohnung da. Eine unerwartete Reise in die Highlands verschafft vielleicht Abhilfe, doch Carolina erwartet in der schottischen Einöde nur eines: Arbeit. Dort muss sie ausgerechnet eine romantische Hochzeit planen. Aber weder ihre Kollegin Sina, noch der schweigsame Verwalter Kendrick machen es ihr leicht, ihre Arbeit zu machen. Sina zieht sie ständig auf, mehr Spaß im Leben zu haben.

Wie soll das funktionieren, wenn Kendrick ihr das Leben zusätzlich schwer macht? Warum bekommt er kaum ein freundliches Wort über die Lippen und warum ist es ihr überhaupt wichtig? Sie mag ihn ja schließlich selbst nicht – glaubt Carolina zumindest …

Leseprobe: Spiegel des Herzens

Kapitel 1: Alles anders

Mein zweiter Tag im Krankenhaus blieb verstörend. Zwar waren ernsthafte Verletzungen schnell ausgeschlossen worden, aber ich hatte mir bei meinem Sturz den Kopf angeschlagen. Die Wunde war genäht worden und mein Look bestach nun mit einer wilden Frisur. Die rasierte Stelle ließ sich unter dem Haar verdecken, das man mir gelassen hatte, aber natürlich starrte ich sensationslüstern in den Handspiegel und besah mir explizit die gepflasterte Stelle. Der Fernseher lief, versorgte mich mit den neuesten Nachrichten, die mich jedoch nicht interessierten. Ich wartete nur auf eine bestimmte Meldung, die einfach nicht kam. Mein Kopf schmerzte trotz der Medikamente und ich sehnte mich nach Maireads übelschmeckender Tinktur, die mich wie ein Baby hatte schlafen lassen. Der Gedanke weckte Melancholie. Ich vermisste sie, auch wenn ich mich ihr nie besonders nah gefühlt hatte. Mairead war meine einzige Bezugsperson in dieser völlig konfusen Zeit meines Lebens gewesen — neben Finlay — was offenbar zu einer Bindung zu ihr geführt hatte. Ihr freundliches Gesicht tauchte vor meinem inneren Auge auf. Ihr von einem Schleier umhülltes Haar war stets streng zurückgesteckt, ihre Kleidung immer akkurat geschlossen gewesen. Ihre Art hatte mich zwar anfangs wahnsinnig aufgeregt, schließlich war ich solch leise Zurückhaltung nicht gewohnt, aber mit der Zeit hatte ich es zu schätzen gelernt. Ebenso wie ich Finlay lieben gelernt hatte. Es schmerzte zu sehr und ließ mich wie einen wilden Tiger in meinem Käfig – dem Krankenhauszimmer – hin und her wandern. Es machte mich rasend, wahnsinnig und nur noch ungeduldiger, als ich ohnehin war. Tausend Fragen hetzten in meinem Kopf einander. Die Wichtigste: Wo war Finlay, was war ihm geschehen, während ich aus dem eisigen Wasser gezogen und ins Krankenhaus gebracht worden war? Hatte ihn den niemand gesehen?

Er musste verwirrt sein, wenn nicht sogar verletzt, schließlich erinnerte ich mich, einen Schuss gehört zu haben, kurz bevor ich in das eisige Nass der Fairy Pools eingetaucht war. Ich schüttelte mich, gefangen in der Erinnerung und niedergedrückt durch meine Handlungsunfähigkeit.

Bei meinem ersten Fall von der Aussichtsplattform war ich von einer Taschendiebin gestoßen worden, beim zweiten Mal war es Finlay gewesen, der mir einen Schubs gab, um mich aus der Gefahrenzone zu bugsieren, denn uns waren englische Soldaten gefolgt, die mich nur zu gern wieder in die Finger bekommen hätten. Ich schloss die Augen. An beiden Tagen hatte die Sonne geschienen, nur war es einmal die Sommer- und einmal die Wintersonne gewesen.

Es klopfte. Erschrocken ließ ich den Spiegel sinken, in den ich schon längst nicht mehr geblickt hatte, und sah zur Tür. Alles in mir verkrampfte sich und Fluchtgedanken nahmen überhand. Ich sprang aus dem Bett und strauchelte.

Hi.“ Vanessa steckte den Kopf durch den Türspalt. „Du bist wach.“ Sie kam rein, schloss vorsichtig die Tür und kam händeringend auf mich zu. Besorgnis grub sich in tiefen Falten in ihre Stirn. „Alles in Ordnung?“

Nay.“ Die Wahrheit, bei meiner Schwester sparte ich nie mit ihr. „Mir geht es bescheiden bis dreckig.“

Ich zwang mich, zu relaxen.

Vielleicht solltest du liegenbleiben. Oder musst du …“ Ihr Blick schweifte zu der offenen Schiebetür des Nassraums.

Dass ich mal auf Klo musste, wäre natürlich eine gute Erklärung dafür, warum ich außerhalb des Bettes durch die Gegend eierte. Stattdessen seufzte ich und ließ mich wieder aufs Bett fallen.

Ich war hin- und hergerissen, ob ich mich ihr anvertrauen sollte. Einerseits musste ich wissen, was Finlay zugestoßen war, dann jedoch erschien mir die ganze Geschichte selbst, wie die einer Geistesgestörten. „Nee. Du hast mich erschreckt, als du reinkamst.“ Ich zuckte die Achseln und schlug die Decke wieder über meine Beine. Es sollte mich beruhigen, mir die nötige Sicherheit geben, um mutig mit der Wahrheit herauszuplatzen, wie ich es eigentlich stets handhabte. Diese Unsicherheit zerrte an meiner Kraft, ich war Selbstzweifel nicht gewohnt. Alles in mir drängte danach, mit meinen Fragen herauszuplatzen, weshalb ich meine Worte nicht überdachte: „Ich wurde zu oft überfallen.“

Vanessa zog sich einen Stuhl heran und stockte erschrocken. „Wie bitte?“

Nun erst wurde mir bewusst, was ich gerade gesagt hatte und fand mich unter Zwang, eine Entscheidung zu treffen. Sollte ich mich meiner älteren Schwester anvertrauen? Ich war mir plötzlich nicht mehr sicher, ob ich es sollte.

Wir hatten uns nie besonders nahegestanden, was man einzig mir ankreiden konnte. Die zehn Jahre Altersunterschied, die uns trennten, hatten mich immer gestört, immer hatte Vanessa mit ihrem (Besser-)Wissen um sich geworfen und mich stetig angeleitet. Leider hatte ich es gehasst, dass sie mir sagte, was ich tun und lassen sollte.

Wir können uns glücklich schätzen, heute zu leben, früher war es echt hart für Frauen“, warf ich hinterher und suchte schnell nach einer Ablenkung, während ich fahrig an der Ecke der Bettwäsche herumfummelte. „Also? Entlassen sie mich aus dem Krankenhaus?“

Sie wollen noch Tests machen.“ Sie hob die Schultern. „Ian kümmert sich darum.“

Vanessa hätte wohl weniger Ärger mit den Ärzten als ich bekommen, schließlich hatte sie, seit ihrer Hochzeit mit dem adligen Ian, schnell gelernt, ihre Angelegenheiten von anderen Regeln zu lassen. Aber natürlich war Vanessa eher der ruhige Typ, jener, der zufällig einem Duke in die Arme viel, als sie einfach einen Selbstfindungsurlaub machen wollte und ihn binnen zweier Wochen heiratete. Sie war die Verrückte in der Familie, wenn man mich fragte, also sollte ich mit meiner wahnsinnigen Story gut bei ihr aufgehoben sein. Das galt auch für meinen Gefühlsaufruhr, der von aufgedreht und gehetzt alles zu unternehmen, um Finlay zu helfen bis todtraurig und überzeugt, alles nicht erlebt haben zu können reichte. Vanessa war schließlich durch ihre jahrelange Depression Stammgast bei Therapeuten und Pyschologen gewesen.

Derzeit ist man unter den Fachärzten beunruhigt wegen deiner Ohnmacht.“ Sie lächelte tapfer. „Die Gehirnscans sind ohne Befund und bisher gibt es keinen Grund, dich länger hier zu behalten.“

Dann wollte ich ihnen auch keinen liefern, indem ich eine völlig absurde Geschichte von mir gab, wo ich gewesen war. Bisher hatte ich kein Wort verloren und versucht, mir die Informationen, was seit meinem Verschwinden passiert war, heimlich zu beschaffen.

Seit meinem Sturz in die Wasserfälle der Fairy Pools war keine Zeit vergangen. Ich hatte drei, fast vier Monate in der Vergangenheit im Jahr 1746 zugebracht, aber hier war nicht ein einziger Tag vergangen.

Sehr gut, ich muss gestehen, ich hasse es im Krankenhaus.“

Vanessa lachte auf. „Stell dich nicht so an, es sind ja bisher keine zwei Tage und du bist hier als VIP und nicht in der Holzklasse.“ Auch darum hatte mein Schwager Ian McDermitt sich gekümmert, wofür ich ihm dankbar war. Ein Einzelzimmer mit Klimaanlage und frischgekochtem Essen, anstelle des üblichen Einheitsfraßes. Zudem die Chefarztbehandlung und eine Vorzugsstellung bei den Tests. Es gab keinen Grund zu klagen.

Ich weiß, danke.“ Einen Moment senkte ich den Blick. Wann hatte ich mich zuletzt bei meiner Schwester für irgendetwas bedankt? Es war lange her, gewöhnlich war ich eine Kratzbürste, besonders Vanessa gegenüber.

Woher kanntest du ihn?“

Wieder schreckte ich auf. „Wen?“

Mr McInnes. Dem Mann auf der Plattform. Du bist ihm ziemlich enthusiastisch um den Hals gefallen.“ Sie lachte auf. „Für jemand, die sich frisch von ihrem Freund getrennt hat.“

Du kennst ihn?“ Meine Finger bebten, weshalb ich sie in die Decke krallte. Der Mann, der mich aus dem Wasser gezogen hatte, war nicht Finlay, auch wenn er ihm in verstörender Weise zum Verwechseln ähnlich sah. Soviel hatte ich mir eingestanden. Was schwieriger war, war mit dem Verlust umzugehen. Finlay hätte hier sein sollen, bei mir. So war es geplant gewesen und ich verstand nicht, wie es hatte schiefgehen können. Man hatte ihn nicht im Wasser gefunden. Wo war er dann und ging es ihm gut?

Nicht wirklich. Ich habe mich selbstverständlich bei ihm bedankt, dass er dich gerettet hat, aber er war recht zurückhaltend. Was auch immer zwischen euch ist, er hat nichts preisgegeben.“ Wieder zuckte sie die Achseln. „Ich habe natürlich auch nicht gefragt, nur … Bist du ihm am Flughafen begegnet?“ Sie rutschte auf ihrem Stuhl nach vorn. Ihre Neugierde war merkwürdig. Seit wann interessierte sie, was in meinem Leben … nein, jetzt wurde ich unfair. Ich war diejenige, die für nichts außer mir selbst Interesse aufbrachte.

Ich schüttelte den Kopf. „Ich habe ihn verwechselt“, gestand ich ein. „Ich hielt ihn für …“ Was sollte ich sagen? Meinem Ehemann aus dem 18. Jhd? In Hörweite der Ärzte? Besser nicht. „Na ja. Ich hatte mich geirrt. Hat er sich nach mir erkundigt?“

Vanessa schnaubte. „Hat er. Ich habe ihm gesagt, es gehe dir gut.“

Obwohl es mir egal sein sollte, begann mein Herz bei dem Gedanken an Mr McInnes zu hüpfen. Er war nicht Finlay, nur ein zufälliger Doppelgänger und ich wollte mein Original!

Ich werde mich auch bei ihm bedanken müssen. Welch ein Zufall, dass er ausgerechnet vorgestern an den Fairy Pools spazieren war.“ Ich hatte etwas Falsches gesagt. Vanessa sah mich mit diesem Ausdruck an, der das unmissverständlich verriet. Sie brauchte aber noch einen Augenblick, um sich dazu durchzuringen, mir zu sagen, was das Problem war.

Mr McInnes war oben auf der Plattform und hat mir mit der Taschendiebin geholfen.“ Ihr Ausdruck wechselte ins zerknirschte. „Die ist leider entkommen.“

Was mir absolut egal war. „Er war oben? Mit uns?“ Aber dann musste er doch Finlay gesehen haben!

Vanessa grinste. „Er ist dir sofort hinterher gesprungen, als du von der Aussichtsplattform gestürzt bist. Ein wahrer Held. Wenn Ian nicht wäre, könnte Mr McInnes mir gefallen.“ Sie zwinkerte verschmitzt, aber ich nahm es ihr dennoch nicht ab, dass sie Finlay – Nein, Mr McInnes – anziehend fand. „Ich war noch völlig in Schockstarre, wenn er mich nicht zur Seite geschubst hätte — auch so war es knapp genug. Er hat dich beatmen müssen. Er hat dir wortwörtlich das Leben gerettet.“

Nicht nur für Vanessa ein ungemütlicher Gedanke.

In meiner Erinnerung war es schwarz um mich herum geworden, also ja, es war gut möglich, dass ich ohne Mr McInnes ertrunken wäre. Genauso wie ich auf der anderen Seite ertrunken wäre, hätte Finlay mich nicht aus dem Wasser gezogen. Hatte ich das alles nur geträumt?

War mein ganzes Abenteuer nur ein Produkt meiner Ohnmacht?

Der Gedanke legte einen Augenblick lang jeden anderen lahm.

Kurz zog ich es in Betracht, dann wies ich es weit von mir. Ich war nicht verrückt und bildete mir sicherlich nicht in den wenigen Minuten einer Ohnmacht ein, durch die Zeit zu reisen und mich zu verlieben.

Meine Schwester rutschte auf ihrem Stuhl so weit nach vorne, dass sie auf der Kante balancierte und griff nach meiner in der Decke gekrallten Hand. „Mir ist das Herz stehengeblieben.“

Die Intensität ihrer Gefühle, die sich in ihrer Stimme und Haltung spiegelten, war mir nicht geheuer, weshalb ich rasch das Thema wechselte: „Ähm, wo sind wir hier eigentlich? Ist das Krankenhaus noch auf der Isle of Skye?“

Aber ja. Portree, die Hauptstadt der Insel. Ich hatte dir eigentlich nach unserem Ausflug an die Fairy Pools das Städtchen zeigen wollen.“ Sie seufzte theatralisch. „Das alles tut mir so unendlich leid.“

Ich bin gestürzt.“ Das Schulterzucken fiel mir nicht einmal schwer. „Shit happens, nicht wahr?“

Vanessa klappte bei meiner Ausdrucksweise der Mund auf, ebenso rund wurden ihre Augen.

Lass das bitte. Ich fühle mich ziemlich dämlich, wenn du mich so ansiehst.“ So, als wäre etwas fürchterlich falsch mit mir, also genau so, wie Mairead mich stets betrachtet hatte, aber da war es verständlich gewesen. Meine Weltanschauung und Verhaltensweisen mussten einer Frau aus dem 18. Jahrhundert fremd vorkommen. Vanessa aber kannte mich nicht anders und wie sollte ich mich ihr anvertrauen, wenn sie mich schon davor ansah, als wäre ich nicht ganz richtig im Kopf?

Entschuldige“, haspelte sie und nahm sich mit Mühe zusammen. „Also, wie geht es dir?“

Ich langweile mich.“ Was aber nicht der Grund für meine Unruhe war. Hier konnte ich nichts herausfinden, denn weder in den News noch in den von mir gehorteten Zeitungen und Zeitschriften stand etwas über eine unbekannte, tote Person, die nahe der Fairy Pools angespült und gefunden worden wäre. Es gab Berichte über mich, aber es wurde kein Mann erwähnt, der ebenfalls von dem Abgrund gefallen oder gesprungen sei, oder mit mir in den Fairy Pools versunken war.

Ich kann dir Zeitschriften besorgen.“ Ein kalter Schauder ging über mich nieder. Es war einerseits zu einem Zwang geworden, alle Berichterstattungen zu durchforsten, aber sie brachten mich gleichzeitig völlig durcheinander. „Nein.“ Ich spürte, wie sich eine Gänsehaut über meinen Körper zog. „Ich …“ Ich konnte nicht länger ruhig sitzenbleiben und rutschte aus dem Bett, um nun doch auf und ab zu tigern. Dabei wrang ich die Hände. „Hast du …?“ Ich unterbrach mich schnell, aber konnte es einfach nicht weiter zurückhalten. „Hast du von dem Mann gehört, der ebenfalls in die Fairy Pools fiel?“

Vanessa blinzelte in Zeitlupe, ihre Lippen bildeten einen Kreis, bevor sie Worte formten, ohne sie tatsächlich auszusprechen. Damit hatte ich meine Antwort, sie wusste nicht, wovon ich sprach. Verzweifelt schwang ich herum und stapfte zur Tür, um die Stirn dort anzulehnen, während sich meine Finger klauenartig um die Klinke schlossen.

Katharina?“

Ich hatte sie nicht näherkommen hören und zuckte unter ihrer leichten Berührung meiner Schulter zusammen.

Was hast du denn?“, wisperte sie und drehte mich zu sich herum, um mir in die Augen zu sehen. Ihre weiteten sich. „Soll ich …?“

Schnell unterbrach ich sie. „Ich muss hier raus.“

Aber …“

Ich muss dir was erzählen, aber ich kann … Spazieren, lass uns spazierengehen. Einfach nur raus aus diesem Gebäude und ein paar Augenblicke so tun, als wäre nie etwas passiert.“

Also gut“, stimmte sie ein. „Es spricht nichts dagegen, einen kleinen Rundgang zu machen.“

Erleichtert schob ich Vanessa zur Seite und griff nach meiner Steppjacke. „Lass uns los.“ Es machte mich so verflucht bedürftig und momentan hatte ich niemanden, auf den ich mich verlassen konnte. Wie auf Finlay. Wie vermisste ich ihn! Der Gedanke war unglücklich, brachte er doch meine Augen zum Brennen. Schnell blinzelte ich und beschäftigte mich übertrieben intensiv mit meinen Nägeln. Sie waren perfekt manikürt. Es war nicht das erste Mal, dass es mir auffiel, trotzdem verspürte ich auch dieses Mal wieder einen kleinen Elektroschock. Der Lack müsste bereits abgesprungen und die Nägel eingerissen sein. Es fiel mir schwer, mich von dem Anblick loszureißen.

Komm.“ Meine Stimme kratzte, bebte sogar, was sich auch auf meinen Körper übertrug.

Mein Gott, du bebst am ganzen Leib, du solltest dich besser wieder hinlegen!“ Sie drängte mich zurück, bis ich die Hacken in den Boden stemmte und meinen Standort behauptete.

Was hast du denn nur?“

Es lag mir auf der Zunge, ihr alles zu sagen, aber als ich mich zu meiner Schwester umdrehte und die Besorgnis in ihren blassen Zügen bemerkte, schluckte ich die Wahrheit hinunter. Wie sollte ich damit klarkommen, ihr noch mehr Sorgen zu bereiten? Und ich sprach jetzt nicht von meiner Geschichte an sich, oder davon, wie verrückt sie sich anhören musste, für jemanden, der sie nicht erlebt hatte. Eher davon, dass sie wegen des Unfalls bereits fürchterliche Schuldgefühle durchleben musste. Wenn sie nun auch noch davon ausging, dieses Erlebnis hätte meine geistige Gesundheit ruiniert …

Ich wollte nicht schuld sein, dass Vanessa wieder in Depressionen abglitt. Aber ich wollte auch nicht selbst in die Klapse kommen, weil mich das Schweigen fertigmachte.

Ich muss hier raus“, haspelte ich rau, bitter bewusst, dass ich mich wiederholte. Vanessa seufzte tief und bedachte mich mit ihrem „Große-Schwester-Blick“. „Danach geht es mir blendend, das schwöre ich dir!“

Also gut“, lenkte sie gedehnt ein, wobei sie mich scharf musterte, „machen wir einen kleinen Spaziergang. Das Hospital liegt auf der Halbinsel mit dem Hafen, und auch wenn es hier keinen Sandstrand gibt, ist die Aussicht wundervoll.“

Zwar brauchte ich keine weiteren „Aussichten“, war es mir recht, solange wir nur das Krankenhaus verließen und ich mich meiner Schwester anvertrauen konnte. Ich spürte den Druck, mit allem herauszuplatzen und zog Vanessa bereits mit mir.

Kati, warum hast du es denn so eilig?“ Sie versuchte, mein Tempo zu drosseln, aber ich verstärkte mein Bemühen, voranzukommen.

Katharina …“

Bitte, ich erkläre dir alles, sobald wir hier raus sind!“ Was gar nicht so einfach war, wie es klang. Mein Hirn ratterte mögliche Worte herunter, ohne den richtigen Ton zu treffen, was mich nur nervös machte. Ich klang wie eine Verrückte, aber war das von Bedeutung, wenn es darum ging, Finlay zu finden und ihm womöglich das Leben zu retten?

Erneut sah ich ihn vor meinen Augen von der Klippe stürzen und musste sie schließen, um das Bild zu vertreiben, wodurch ich eine Treppenstufe verfehlte. Vanessa zog mich gerade noch rechtzeitig zurück. Mit einer Warnung, die einmal mehr nur aus meinem Namen bestand, aber wahre Epen beinhaltete.

Komm.“ Ich flog die Stufen hinunter, dieses Mal jedoch am Geländer und zerrte Vanessa dabei hinter mir her. „Hier drin kann ich dir nicht erzählen, was mit mir los ist und das willst du doch wissen, oder?“ Sie gab ihren Widerstand auf und folgte mir kommentarlos bis vor das Hospital, wo sie die Führung übernahm und mich den Gehweg entlang zum Hafen dirigierte.

Es war das erste Mal, dass ich in Portree war und obwohl ich mich nicht für meine Umgebung interessierte, glitt mein Blick über die urigen Häuser, die sich seit hunderten von Jahren aneinanderreihten. Es lenkte mich ab, Vanessa jedoch nicht.

Nun, wie lange willst du mich noch auf die Folter spannen?“, fragte sie, als wir an einem Gasthaus vorbei kamen und ich fasziniert in die Lagune starrte, die auf der anderen Straßenseite sichtbar wurde. Eine bunte Reihe kleiner Häuser säumte sie zur Rechten, während zur Linken eine Felswand steil hinabfiel. Segelboote tanzten auf den seichten Wellen und gaben dem Anblick etwas unglaublich Pittoreskes. „Was kannst du mir keinesfalls im Krankenhaus erzählen und macht dich noch hibbeliger als sonst?“

Mir ist da was passiert“, murmelte ich, nach den richtigen Worten fischend. Ich war völlig durcheinander. „Etwas, was unglaublich klingt.“ Damit hatte ich Vanessas volle Aufmerksamkeit.

Du hast dich unsterblich in deinen Arzt verliebt, beschlossen, dein Leben bei uns auf Skye zu verbringen und dich der Wohlfahrt zu widmen.“ Sie lachte auf, verwarf die Vorstellung mit einem Wisch ihrer linken Hand. Die Rechte lag auf meinem Unterarm, hatte sie sich doch bei mir eingehakt.

Raus damit, ich kann es kaum erwarten, deine unglaublichen Geschichten zu hören.“ Sie grinste mich an, als sei das ganze Leben ein riesiger Spaß. Zugegeben, gewöhnlich sah ich es auch so, aber dass wir offenbar die Rollen getauscht hatten, fand ich nicht amüsant. Ich wollte nicht die besorgte, ständig grübelnde Schwester sein, die sich dem Hohn der anderen ausgesetzt sah.

Nervös befreite ich mich von ihrer Umklammerung und brachte Abstand zwischen uns, bevor ich mich ihr stellte.

Ich habe tatsächlich jemanden kennengelernt.“ Meine Stimme schwankte. „Ähm, es ist kompliziert.“

Vanessa prustete. „Also doch verknallt in den Arzt!“

Die unschöne Konfronation mit dem durchaus attraktiven Assistenzarzt schoss mir in den Sinn. Bereits am letzten Abend, nach einer Reihe von Untersuchungen und Fragen, hatte er sich zu mir gesetzt. Das bereits hatte mich irritiert, schließlich war bis dahin alles sehr distanziert und fachlich gewesen.

„Miss Hagedorn,ich sehe mich in einer Zwickmühle.“

Mir waren seine rötlichen Wimpern aufgefallen, weil ich ihn voller innerlicher Not angestarrt hatte.

„Seine Gnaden wünscht eine erstklassige Versorgung, aber bisher kann ich nichts wirklich ausschließen. Sie haben sich bei ihrem Sturz den Kopf aufgeschlagen und sehr viel Blut verloren. Sie sind teilweise nicht ansprechbar, was mir ernstlich Sorge bereitet.“ Er hatte helle blaue Augen, die sich besorgt verengt hatten, als ich ihn nur weiter anstarrte. „Momentan sieht es nach einer Gehirnerschütterung aus. Deshalb stehen Sie unter Beobachtung, wenn ihnen schlecht wird, die Kopfschmerzen schlimmer werden oder sie ungewöhnliche Empfindungen haben, geben Sie das bitte unverzüglich an.“

Das war der Punkt gewesen, an dem ich begonnen hatte, mir Sorgen zu machen. „Das gilt insbesondere bei Druck auf den Schädel, akkustische oder visuelle Eindrücken.“

„Ich verstehe nicht“, hatte ich ihn krächzend unterbrochen. Mein Körper hatte gebebt und ich hatte meinen Mageninhalt nur zurückhalten kännen, weil ich seit dem Morgen nichts gegessen hatte.

Sein Blick hatte mich zusätzlich nervös gemacht. Es war, als wüsste er es bereits. „Sehen Sie, Miss Hagedorn, neben einer Gehirnerschütterung kommen noch andere Spätfolgen infrage. Es kännte sich Gehirnwasser stauen, oder eine Blutung auftreten. Wir werden am Morgen ein CT machen, dann wissen wir mehr. Er hatte geseufzt, und mich angelächelt, ausgerechnet in dem Moment, in dem Vanessa und Ian hineingeschneit waren. Dass er zudem meine Hand getätschelt hatte, die eiskalt und abgetrennt von meinem Körper zu sein schien, hatte ich auch erst bemerkt, als Vanessa mir zugezwinkert hatte. Angestrengt riss ich mich von der Erinnerung los.

Nay.“ Ich gab mir einen Ruck, aber es blieb schwer, es auszusprechen. „Es hört sich blöd an, aber als ich in den Wasserfall fiel, landete ich in der Vergangenheit.“

Es war ihr anzusehen, dass sie ihren Ohren nicht traute. „Bitte?“

Ich weiß, wie es klingt. Aber Finlay zog mich im Jahr 1746 aus dem Wasser.“ Meine Stimme versagte.

Ihr nervöses Lachen war spitz und hohl. „Ich dachte, Catriona sei die Fantasievolle in der Familie, vielleicht solltet ihr euch unterhalten?“

Ich meine es ernst.“ Und nahm es ihr gar nicht übel, dass sie es für Blödsinn hielt. Ich an ihrer Stelle …

Vanessas Grinsen fiel und sie blinzelte einige Mal. „Kati, jetzt machst du mir Angst.“

Wenn sie wüsste, wie es mir dabei ging!

Kapitel 2 Dunvegan – gestern und heute

In mein Zimmer auf Dunvegan zu treten, weckte einen unangenehmen Schauer. Es war, als stürmte die Vergangenheit auf mich ein. Finlay, Mairead, selbst der schreckliche Duke of Skye und der furchtbare Leutnant Carstairs tanzten in meinem Kopf herum und hielten mich zum Narren. Ich drehte mich, halb erwartend, eben jener englische Soldat träte in mein Zimmer, um mich erneut zu befragen und mich zu drängen, Finlay zu belasten, und sei es mit einer an den Haaren herbeigezogenen Lüge. Wann war ich?

Statt Carstairs stand Vanessa in der Tür, die Hände wringend und mich zögerlich anlächelnd. „Da sind wir.“

Mein Blick wanderte weiter, um mich von der Nervosität meiner Schwester abzulenken, deren Ursache mir nur zu bewusst war. Meine Geschichte hatte sie wortlos aufgenommen, aber ich hatte ihr von der Nase ablesen können, wie sie darüber dachte. Immerhin hatte sie mich nicht für verrückt erklärt und mich auch nicht beim Krankenhauspersonal angeschwärzt, sonst hätte man mich sicherlich nicht entlassen. Ich konzentrierte mich notgedrungen auf die Gegenwart.

Die Vorhänge um das große Himmelbett waren zurückgebunden. Waren sie heller, als ich sie in Erinnerung hatte, oder einfach nur ausgeblichen? Das Fenster war der einzige Unterschied, der sofort ins Auge fiel, denn nun gab es eine moderne Verglasung. Der Kamin war nicht angeheizt, was auch nicht nötig war, schließlich war es Sommer, aber einige Holzscheite lagen malerisch bereit. Nur zur Dekoration, denn es gab eine elektrische Heizung, die sich hinter Holzvertäfelung verbarg. Der Raum roch eine Spur muffig, was bei den klimatischen Bedingungen hier oben nicht verwunderlich war. Selbst im Sommer war es nass und kalt, nicht nur im Herbst und Winter und die 20 Grad waren eher die Ausnahme. Außerdem war es ein altes Gebäude und die feuchte Luft zog durch die Steinmauern, wie bereits seit hunderten von Jahren.

Ich ließ meine Tasche fallen und schob sie unter das Fußende.

Ruh dich aus“, schlug Vanessa vor. „Gewöhn dich ein. Wir können später …“

Ich bin ausgeruht, Vanessa“, unterbrach ich sie rüde. Peinlich berührt, weil ich erneut in mein altes Verhaltensmuster zurückfiel, presste ich die Lippen zusammen und murmelte eine Entschuldigung. „Sorry, ich bin aufgekratzt. Nach drei Tage eingepfercht in einem Krankenhauszimmer fühle ich mich wie ein Springteufel.“

Vanessas Erschrecken war köstlich. Sie schlug die Hände vor den Mund und drehte sich zum Gang. „Äh …“

Komm runter, Vanessa.“

Ich versprach Ian, ihm im Pool Gesellschaft zu leisten.“

Ich stieß den Atem aus. Es ging ihr also nicht darum, mir auszuweichen, weil sie nicht wusste, wie sie mit meiner Geschichte umgehen sollte.

Ähm …“ Vanessa sah zu mir zurück. „Natürlich kann ich das verschieben.“ Der Vorschlag machte sie aber nicht glücklich. Sie zwang ihre Lippen in ein Lächeln. „Also sollen wir den Tee einnehmen?“

Geh zu deinem Ian, ich werde spazieren gehen, oder so.“ Das war mir ohnehin lieber. Wenn ich bedachte, die nächste Stunde mit einer angespannten Schwester in einem Raum zu verbringen, wurde mir ganz anders. Besser war es, erst einmal meine Gedanken zu ordnen und einen Schlachtplan zu entwickeln. Zudem gefiel mir die Idee eines Spaziergangs. Ich wollte rennen, bis mir die Luft fehlte.

Echt?“ Vanessa starrte mich verblüfft an.

Klar. Keine Sorge, ich …“ Ich wollte sagen, dass ich mein Handy mitnahm und damit jederzeit erreichbar war. „Oh.“ Bisher hatte ich keinen Gedanken daran verschwendet, dass ich kein Mobiltelefon mehr besaß. Ich hatte mich wohl daran gewöhnt, eben nicht erreichbar zu sein. „Das hatte ich völlig vergessen! Mein Handy! Meine Schlüssel …“

Vanessa streckte die Hand nach mir aus und strich über meinen Oberarm. „Keiner von uns hat an deine Tasche gedacht, ich fürchte, sie ist mit dem Fluss auf und davon. Aber keine Sorge, Ian kümmert sich um einen Termin bei der Botschaft und in null Komma nichts hast du einen neuen Ausweis. Wir können dir auch ein Telefon besorgen und von den Schlüsseln deiner Wohnung in Deutschland wird es Ersatzexemplare geben.“

Nichts davon hatte Priorität für mich, dennoch stimmte ich zu. „In Ordnung.“ Mein Lächeln war zittrig, deshalb wandte ich mich ab und sah mich um. Das Zimmer blieb surreal, teils wie ich es aus meiner Reise in die Vergangenheit in Erinnerung hatte, aber zum Teil auch, wie es nun war – in der Gegenwart. Es weckte einen Schauer, der unangenehm prickelnd über meinen Körper glitt.

Also, ich sollte los.“ Meine Stimme schwankte, aber meine Schritte waren sicher.

Warte.“ Vanessa schnappte nach dem Zipfel meiner Jacke und hielt mich zurück. „Es ist leicht, sich hier oben zu verlaufen.In den Highlands sieht alles gleich aus, schließlich gibt es hier nicht mehr, als Gestein, Gras und Wasser.“ Es war so typisch Vanessa, dass mir innerlich ganz warm wurde. Wir waren weit nördlich auf einer Insel in den schottischen Highlands und damit weit weg von meinem üblichen Umfeld. Zudem war ich alles andere als ein Naturbursche und konnte mich nicht anhand der Sterne orientieren, oder wie Pfadfinder es sonst tun mochten. „Aber wir besitzen ein GPS-Gerät. Unsere Koordinaten sind eingegeben und es hat auch einen Tracer, falls du verloren gehen solltest.“ Vanessa rang die Hände. „Ich kann dich auch gerne begleiten, allerdings bin ich auch nicht gerade ortskundig zu nennen.“

Nein.“ Es kam einem Pistolenschuss gleich aus meinem Mund, noch bevor ich auch nur darüber nachdenken konnte. Es fühlte sich richtig an, absolut richtig. „Ich nehme das GPS-Ding, du brauchst dir keine Sorgen zu machen, ich werde nur ein paar Runden durch den Garten drehen.“ Mein Lächeln beruhigte sie. „Um den Kopf frei zu bekommen. Da ist Begleitung nur hinderlich.“

Also gut.“ Sie klang zu erleichtert. „Du brauchst festes Schuhwerk und einen warmen Mantel. Das Wetter wird sich nicht halten“, prophezeite sie. „Komm, ich kann dir aushelfen.“ Sie winkte mich aus den Raum und den Gang hinunter. Wir durchquerten den gesamten Flügel zu den Zimmern im anderen Turm, der dem Meer zugewandt und damit einer der sichersten vor Angreifern war. In ihm befanden sich die Räume des Dukes, weshalb ich nie zuvor hier gewesen war.

Du kannst den Weg durch die Küche nehmen, er führt in den Burghof. Halte dich rechts bis zur Garage, dort gibt es ein Tor.“

Wird die Tür nicht verschlossen? Ihr seid hier zwar mitten im Nirgendwo, aber ist es nicht gewagt offen zu lassen?“ Das Schloss lag von der Straße aus gesehen hinter einem breiten Gürtel aus gepflegten, aber dennoch wilden Gärten. An beiden Seiten schlossen sich Wälder an und so war das Gebäude von allen Seiten abgeschirmt. Die einzigen Zufahrten waren jene zum Haupttor, das von der Familie nicht genutzt wurde, sondern als Attraktion für Touristen offen stand und jener, die versteckter und privater war. So erklärte sich auch die ellenlange Anfahrt durch menschenleeres Gebiet, denn das Schloss lag fußläufig von dem nach ihm benannten Dorf.

Sie ist alarmgesichert, aber ich gebe dir den Code.“ Sie stieß die Doppeltür auf, ohne ihre Geschwindigkeit zu drosseln und segelte weiter. Ich folgte ihr, wurde aber langsamer, sobald ich den Innenraum sehen konnte. Vanessa durchquerte ein Zimmer, das das gesamte Erdgeschoß des Turms einzunehmen schien. Aus allen Richtungen fiel Licht hinein, das von den mächtigen Kristalllüstern, die von der Decke hingen, reflektiert wurden. Es war einfach atemberaubend, wie die Farbsprenkel auf die dunklen Oberflächen der Möbel flogen, es hatte etwas verzauberndes, mystisches, das etwas in mir zum Klingen brachte. Ich stockte in der Tür, um meine Umgebung voll auf mich wirken zu lassen. Das Glitzern wurde intensiver, umhüllte mich. Es wurde zu schnellen Bildern, die ineinander verschwammen und ein Gefühl in mir weckte, dass einer nahenden Ohnmacht ähnelte.

Kati?“ Vanessas Stimme glich einem hohen Schwirren. Erst als sie mich berührte, die Hände fest um meine Oberarme schloss, spürte ich, wie kalt ich im Vergleich zu ihr war. Sie verbrannte mich regelrecht. „Katharina.“

Ich befreite mich schnell und torkelte zurück, dabei rieb ich über die von ihr berührten Stellen, die deutlich wärmer waren, als der Rest von mir.

Was denn?“, stieß ich hervor, eine Ablenkung, schließlich war ich völlig durcheinander, fast noch gefangen in dem wilden Treiben des spiegelnden Lichts.

Du bist bleich und eiskalt!“ Wieder streckte sie die Hände nach mir aus und ich wich schnell zurück.

Alles gut“, behauptete ich, wobei ich ein Grinsen auf meine Lippen zwängte. „Ich werde nur langsam klaustrophobisch.“

Sie blieb skeptisch. Ihr Blick fokussierte sich auf mein Gesicht, als stände dort alles geschrieben, was sie wissen musste, also grinste ich betont lebendig.

Und? Dieses GPS-Gerät, wo versteckt es sich?“ Ich drängelte mich an ihr vorbei, bemüht, das Farbenspiel des Lichts nicht auf mich wirken zu lassen.Sie führte mich in einen lächerlich unterbenutzten begehbaren Kleiderschrank, zog

eine Jacke vom Bügel und reichte sie mir, ohne zu mir zu sehen, bevor sie sich hinkniete und eine Lade aufzog.

Wanderschuhe oder Gummistiefel?“

Ersteres, bitte.“ Ich nahm ihr die Schuhe ab. „Danke.“

Noch einen Schal, nicht dass du dich noch erkältest.“

Da ich tatsächlich keine verstopfte Nase und kratzenden Rachen brauchte, nahm ich auch den entgegen und schlang ihn mir umständlich um den Hals. Das Wetter hier war schließlich nicht beständig zu nennen und am Morgen war es recht kalt gewesen.

Der Tracer?“

Klar. Du kannst auch mein Handy mitnehmen, wenn du möchtest.“ Sie zog das GPS-Gerät aus einer Schublade und reichte es mir.

Ich gewöhne mich gerade daran, nicht erreichbar zu sein.“ Es war als Witz gedacht, aber es trug mehr Wahrheit in sich, als erwartet. Auch wenn es für sie nur wenige Minuten gewesen waren zwischen meinem Fall und dem Moment, in dem ich in Vanessas Armen aufgewacht war, waren für mich mehrere Monate vergangen, in denen ich gelernt hatte, auch ohne ständiger Erreichbarkeit existieren zu können. Oder Fernsehen, Radio, Musik – wow, unglaublich, dass man so auch leben konnte!

Dann bist du hier genau richtig.“ Sie schnaubte. „Hier oben ist Erreichbarkeit Luxus!“

Okay, danke. Ich bin dann mal weg.“ Ich schlüpfte in die Jacke und steckte die Geräte tief in die Taschen. „Wann ist Abendessen?“

Um sechs. Wir warten aber auch auf dich.“

Ach, Quatsch. Ich finde sicher eine Fastfoodkette auf dem Weg und …“

Vanessa brach in wildes Gelächter aus und es klang ungewohnt locker und heiter. „Solltest du eine finden, bist du zu weit gelaufen!“

Danke für die Warnung.“ Meine Umarmung überraschte uns beide zu gleichen Teilen. „Bis später.“

Ich ließ sie stehen, sie stammelte noch eine Verabschiedung, aber die bekam ich nur am Rande mit. Der Weg hinaus war nicht schwer zu finden, ich kannte den Weg zur Küche aus meiner Reise in die Vergangenheit und konnte ihn mühelos schlafend abschreiten. Dort wurde bereits eifrig die nächste Mahlzeit vorbereitet, die ich zu verpassen plante.

Miss, kann ich Ihnen helfen?“

Nay, tabadh leibh.“

Die tellerrunden Augen überging ich. Ich hatte diese Worte so oft verwendet, dass ich keinen Zweifel an ihrer Aussprache hatte, also musste die Verblüffung der Köchin einen anderen Grund haben. Da es für mich nicht von Bedeutung war, beließ ich es dabei. Ich wollte aus dem Gebäude raus und nicht ein Schwätzchen mit Einheimischen halten.

Ich muss hier nur durch.“ Dampfschwaden hingen in der Luft, rochen nach frischer Pasta und Tomaten. Die Tür zum Hof stand offen, um für Durchlüftung zu sorgen. Die Sonne blendete mich, selbst als ich die Hand hob, um sie zu blocken.

So rege es hinter mir zu ging, so ruhig war es vor mir. Abgesehen von dem sachten Wind, der jedes noch so fein gestutztes Grashälmchen in Bewegung setzte. Kein Mensch, kein Tier, soweit das Auge reichte. Nur pure Natur, durchzogen von gekiesten Pfaden. Tiefdurchatmend marschierte ich los. Eine Weile setzte ich nur einen Fuß vor den Nächsten, ließ mich ebenso treiben, wie meine Gedanken. Meine Füße bogen ab, traten nun auf feuchtes Gras, bis ich am Ufer der Bucht stand, die dem Schloss seinen Namen gab. Loch Dunvegan. Als es zu mühsam wurde, über das steinige Ufer zu kraxeln, lenkte ich meine Schritte wieder landeinwärts. Irgendwann hob ich den Blick. Meine Finger schlossen sich in der Tasche der Jacke um den Tracer und einen Moment wallte Furcht in mir auf. Verlaufen. Aber darum ging es mir auch, ich wollte mich verlaufen, zumindest für eine Weile.

Vor mir erstreckte sich das raue Hochland, saftiges Grün, grauer Fels und ein Meer an Blumen. Lila, soweit das Auge reichte. Herrlich. Obwohl mich mein Marsch angestrengt hatte, spürte ich, wie mich der Ausblick beruhigte. Der Wind spielte mit meinem Haar, schlug es mir sanft ins Gesicht. Strähnen tanzten vor mir und um mich herum. Alles war wild, ungezähmt und urtümlich. Es sah genauso urtümlich aus, wie während meiner Reise in die Vergangenheit, und Sehnsucht zerquetschte mein Innerstes. Finlay. Tränen stürmten meine Augen, rollten mir in Sturzbächen über die Wangen und tropften in den staubigen Grund vor meinen Füßen.

Ich hatte es geschafft, ich war unbeschadet wieder in meiner Zeit gelandet, aber nicht wie geplant mit Finlay. Was war aus ihm geworden?

Furcht gesellte sich zu dem immensen Schmerz in meiner Brust. Ich musste mich setzen, rutschte von dem Felsen, den ich mir dazu ausgesucht hatte, und landete im Heidegras. An den Anblick erinnerte ich mich noch lebhaft und er fachte meine dringliche Frage an: Wie konnte ich herausfinden, was mit Finlay geschehen war?

Etwas zog mich nahezu zurück. Das Dorf Dunvegan war laut GPS Meilen entfernt und von dort gab es kaum eine Möglichkeit, sich zu verlaufen. Die Hauptstraße hinauf und dann in den Privatweg abgebogen, dessen Tor mit einer Gegensprechanlage gesichert war. Es dauerte, bis man mich einließ und zwei Männer eskortierten mich zurück. Albern, wenn man bedachte, dass man über das Ufer problemlos auf das Grundstück gelangte. Erst am Eingang ließ man mich allein weitergehen.

Ich nahm den langen Weg über die Haupttreppe, ohne weiter darüber nachzudenken. Ich joggte die Stufen hinauf, riss die Tür auf. Und blieb stehen. Im ersten noch verschwommenen Moment sah das Zimmer aus wie in meiner Erinnerung – der aus der Vergangenheit. Herrje, von den Spitzfindigkeiten bekam ich noch Kopfschmerzen. Die Strahlen der untergehenden Sonne tauchten es in funkelndes Licht, wie ich es am Vormittag in Vanessas Schlafzimmer gesehen hatte. Mein Körper reagierte, ließ mich schwindeln und in kaltem Schweiß ausbrechen. Ich stürzte, schaffte es nicht bis zum Bett und schlug auf dem flauschigen Teppich auf, der den Platz zwischen Bett, Tür und Kamin einnahm. Meine Lider schlossen sich flatternd, aber die Lichtblitze verschwanden nicht.

Halte deinen dreckigen Mund, Schottenhure!“, keifte es in meinen Ohren und versetzte mich zurück an eine der weniger erfreulichen Erinnerungen aus dem Jahr 1746. Wir waren draußen in der Heide von Soldaten gefangen genommen worden, die auf Finlay einprügelten und dabei nicht mit Beleidigungen sparten.

Katharina“, keuchte Finlay, wobei er meinen Blick gesucht hatte, um mir eine Warnung zu übermitteln, die mich hatte frösteln lassen. Ich hatte nicht glauben wollen, in Gefahr zu sein, hatte meine Situation arroganterweise falsch eingeschätzt und war in eine weitere wirklich haarige Situation geraten.

Vielleicht, wenn wir das Mädchen …“, hatte der junge Soldat mit einem Blick vorgeschlagen, der seine Gedanken verraten hatte, weshalb ich mich auf einen physischen Kampf eingestellt hatte.

Der Ältere hatte seinen Blick ebenfalls lüstern an mir herabgleiten lassen, bevor er gegrunzt hatte: „Will sicher der Hauptmann einreiten.“

Als der junge Kerl nach mir gegriffen hatte, war ich demnach vorbereitet gewesen und hatte ihn ohne große Mühen auf die Matte geschickt. Finlay hatte sich um den zweiten Soldaten gekümmert und wir waren gemeinsam entwischt.

Ein blendender Feuerblitz beendete die Reminiszenz und ließ mich mit heftigen Kopfschmerzen zurück. Meine Finger krallten sich in den Teppich, während ich verzweifelt nach Luft schnappte. Tränen brannten in meinen Augen.

Was war das denn gewesen?

Es klopfte. Da ich überrascht zusammenzuckte, schoss eine Welle des Schmerzes durch meinen Körper und ich konnte kein Wort hervorbringen. Auch nicht, als es wieder an der Tür pochte.

Miss?“

Moment.“ Es war sicher nicht ratsam, dem Personal meiner Schwester am Boden liegend zu begegnen. Sicher wurde ihr oder ihrem Mann alles Ungewöhnliche gemeldet, wie zum Beispiel ein Familienangehöriger, der sich vor Schmerz am Boden windete.

Ich rappelte mich auf und schleppte mich zum Bett, um dort niederzusinken und das Bein anzuziehen. Es sollte wirken, als hätte ich Mühe, mir die Schuhe auszuziehen und nichts weiter.

Kommen Sie rein“, rief ich auf Gälisch, wobei ich an meinen Schnüren des linken Fußes herumnestelte. Eine junge Frau trat ein, erfasste den gesamten Raum mit einem schnellen Rundumblick und knickste dann leicht vor mir.

Das ist unnötig“, sagte ich.

Wie meinen?“ Ihre Irritation zeigte sich in dem Verlust ihrer Maske. Für einen kleinen Moment war sie völlig verwirrt, dann fasste sie sich mit einem Strecken der schmalen Schultern. „Miss, lassen Sie mich Ihnen mit ihren Stiefeln behilflich sein.“

Tabadh leibh, aber lassen Sie dieses Geknickse.“

Aye, Madam.“

Katharina“, korrigierte ich. „Oder Miss Hagedorn, aber keine Madam oder sowas.“

Die Frau sah erschrocken zu mir auf.

Probleme mit dem Schuh?“, fragte ich betont arglos, wobei ich mir ein Lächeln verkniff. Zweihundertfünfzig Jahre und die Leute hier waren immer noch durcheinanderzubringen, indem man außerhalb ihres Rollendenkens agierte.

Nay, Miss.“ Sie zog den Linken von meinem Fuß und stellte ihn bedacht neben dem Bett ab. Der Zweite folgte.

Wie heißen Sie?“ Zwar hatte ich das Gefühl, sie schon einmal gesehen zu haben, aber zuordnen konnte ich sie nicht.

Rona, Miss.“ Sie verschränkte die Hände vor dem Bauch ineinander. „Ihre Gnaden erbittet Ihre Anwesenheit.“

Mein Seufzen ließ sich nicht unterdrücken.

Beim Dinner. Es wird in zwanzig Minuten serviert und ihre Gnaden schickt mich, um Ihnen behilflich zu sein.“

Die Frage wobei erübrigte sich wohl. Kein Jahr war Vanessa nun verheiratet, aber die Gepflogenheiten der Adligen hatte sie bereits übernommen. „Danke, Rona, aber ich bin in der Lage, mich eigenständig anzuziehen.“ Zumindest hob es meine Stimmung, lenkte meine Gedanken von dem Vorfall ab, über den ich gar nicht weiter nachdenken wollte. Die Ohnmacht, die Reminiszenz und dieses bohrende Gefühl der Sehnsucht, die mich noch in den Wahnsinn trieb.

Wenn Sie wünschen, bügel ich Ihnen ihr Gewand auf, oder richte Ihr Haar …“

Danke, aber …“

Ihre Gnaden lässt ausrichten: Bitte.“

Ich klappte den Mund zu. Traute mir Vanessa nicht zu, mich selbstständig präsentabel zu machen? Mein erster Impuls war, Rona wegzuschicken. Allerdings hielt mich etwas zurück. Ein Gefühl von Schuld und Reue. Wenn ich auf Finlay gehört hätte, oder auf Mairead, dann hätte ich womöglich nicht fliehen müssen. Wir wären nicht auf die Idee gekommen, das Tor durch die Zeit zu nutzen, um in die Gegenwart zu kommen, und Finlay wäre gesund und munter. Ein eisiger Schauer rieselte über meinen Rücken und ich schlang die Arme um mich, um über die Oberarme zu reiben.

Ja, danke“, stotterte ich, ohne das Lächeln auf die Lippen zu bekommen, das ich als Maske tragen wollte.

Rona übernahm es, mich dinnerfertig zu machen. Sie wählte mein Kleid aus und entschied auch, welche Frisur ich trug. Anschließend dirigierte sie mich durch das Haus, obwohl ich mich auf Dunvegan bestens auskannte. Selbst mit verbundenen Augen eckte ich nicht an. Nichts hatte sich hier geändert, kein Möbelstück war verrückt, nicht einmal neue Bilder zierten die Wände. Dieselben Ölschinken, Gemälde von Landschaften von längst toten, namhaften Künstlern.

Die riesige Halle im Anschluss der Treppe wurde von Buntglasfenstern erhellt. Es warf Lichtspiele auf jeden Meter, den ich zurücklegte. Mein Kopf schwirrte, als ich in den Gang abbog. Eine Ohnmacht in Begleitung einer Angestellten meiner Schwester war das Letzte, was ich mir leisten konnte, also biss ich die Zähne aufeinander und ging mit geschlossenen Augen weiter. Zehn Schritte, Tür zur Rechten, zwei weitere, Tür zur Linken. Fenster. Halb den Gang hinunter befand sich der Speiseraum. Gegenüber die Tür zu einem Salon, in dem sich die Familie bereits versammelt hatte. Vanessa saß auf dem Zweisitzer, die Arme um sich geschlungen und mit gequältem Gesichtsausdruck, aber sie versuchte, heiter zu wirken. Ian genehmigte sich einen Drink, während die Duchess lamentierte. Auf Gälisch und viele der Worte sagten mir nichts, andere wiederum konnte ich sehr wohl zuordnen. Sie lästerte. Sie sparte mit Namen, aber es klang, als spräche sie von einem Familienangehörigen. Als sie mich gewahrte, verzog sich ihr Mund, wodurch sie einen Moment still war. Nicht für lang und das Geschnatter setzte wieder ein. Die Stimme noch schriller, die Worte hässlicher.

Ich hätte sie als typisch McDermitt klassifiziert, wenn sie nicht angeheiratet wäre. Aber sie passte, sie erinnerte mich stark an Rourke.

Màthair!“, donnerte Ian. Er presste zwei Finger an die Schläfe, mit der Hand, die das Glas hielt. „Sguir dheth. Halt einfach endlich deinen Mund.“

Ich erwartete, dass die Duchess ausbrach wie ein eruptiver Vulkan, dass sie wieder hinausstürmte, aber sie starrte ihren Sohn lediglich mit eisigem Blick an.

Ah!“ Vanessa sprang auf und kam auf mich zu. „Da bist du ja!“ Ihre Stimme war ungewöhnlich hoch und zeugte von ihrer Anspannung. „Wie war denn dein Spaziergang?“ Sie fiel mir um den Hals. „Ich war ganz hibbelig.“

Sie war es noch. Lag es etwa nicht an ihrer nörgelnden Schwiegermutter?

Ich habe den Weg mühelos gefunden, Vanni. Weißt du, ich bin kein Idiot.“

Wie bitte?“ Sie starrte mich an, den Mund offen, die Augen kullerten nahezu aus ihr heraus. Ian pfiff.

Du sprichst Gälisch?“

Und merkte es nicht einmal. „Äh.“ Es war offensichtlich, aber wie sollte ich es erklären, ohne von Finlay zu sprechen. „Ja.“

Wie ist das passiert?“, hauchte meine Schwester. „Wann?“ Ihre Miene entgleiste, als ich sie ansah. Sie verstand, was ich nicht aussprechen wollte. Ihr Mund klappte erneut auf.

Sprachen interessieren mich eben.“

Klar“, wisperte Vanessa. „Ich wünschte, ich hätte dein Talent.“

Du hast andere Talente.“ Weg von diesem verfänglichen Thema. „Herrje, ist es nicht endlich sechs Uhr? Ich muss gestehen, dass mir eine Mahlzeit mehr als recht wäre.“

Stimmt!“ Vanessa hüpfte überdreht zur Tür. „Ich verhungere!“

Mit welch gewöhnlichen Kreaturen muss ich mich umgeben!“, lamentierte die Duchess spitz, wobei ihr Blick meiner Schwester verfolgte.

Màthair, tàmh.“

Vanessa zog mich aus dem Salon. „Warum dauert es heute so lange?“ Im Gang kam uns einer der Diener entgegen und verbeugte sich vor meiner Schwester.

Euer Gnaden, das Essen kann nun serviert werden.“

Hervorragend!“ Die Erleichterung war nicht schwer herauszuhören. Vanessa zog mich eilig weiter. Der Tisch war für vier gedeckt, bezeichnend war die Verteilung der Teller. Einer am hiesigen Ende des langen Tisches, drei am anderen, unter dem Wappen des Hauses – der Platz des Duke of Skye. Wie häufig hatte ich an dieser Tafel platzgenommen und einen anderen Duke am Kopfende sitzen sehen?

Wann hast du Gälisch gelernt“, fragte Ian mich, als alle saßen und die Diener die Wagen mit den Gerichten hereinrollten.

Kati war den halben Tag unterwegs“, flötete Vanessa. „Ganz allein. Sag, was hast du gesehen?“

Blumen“, ging ich schnell auf sie ein, auch wenn meine Stimme meine Worte nicht trugen. „Ein Meer an Blumen. Diese lila-grünen, haarigen Dinger …“

Ian lachte schnaufend. „Disteln. Die erste Nichtschottin, die sie nicht als Unkraut bezeichnet.“ Immerhin war er abgelenkt von meinen überraschenden Sprachkenntnissen.

Sie zählen zum überwiegenden Bewuchs, oder?“ Konnte man sich eine Mahlzeit lang über Disteln unterhalten? Sicher eine Herausforderung. „Und sie passen hervorragend hierher. Wunderschön und doch wild.“

Wieder lachte Ian. „Eine Schottin im Herzen, a ghràidh, was hast du mir noch alles nicht über deine Schwester erzählt?“

Oh, da gibt es einiges“, grummelte Vanessa, den Blick auf ihren Teller gesenkt. Ich fand es merkwürdig, wie sie dort zusammengesunken hockte. Die Hände unter dem Tisch und nicht einmal aufsehend, als der Diener ihr Wein einschenkte. Apathisch, genau so, wie ich sie von früher kannte.

Geht es dir gut?“

Vanessa zuckte zusammen. Es war deutlich, dass ich mit ihr sprach, war ich doch in unsere Muttersprache Deutsch zurückgefallen. Eigentlich fand ich es unhöflich, schließlich war ich zu oft diejenige gewesen, die nicht verstand, was um sie herum gesprochen worden war. Aber in diesem Fall war Privatsphäre wichtiger.

Du nimmst doch deine Medikamente noch?“ Ich erreichte, dass sie zu mir rübersah, verblüfft, aber immerhin wieder aktiv im Jetzt.

Was …?“

Du siehst deprimiert aus.“ War es so? Die Verknüpfung war vielleicht etwas weit hergeholt, traurig passte sicher, aber war es gleich diese bleierne Variante, die ich nie hatte verstehen können, so oft sie es auch erklärte?

Etwas in mir drückte mich selbst unaufhörlich Richtung Boden. Nicht die Schwerkraft, es sei denn, sie hatte sich in den letzten Tagen verdoppelt, es war eher etwas in mir. Gewichte. Ich hatte Ballast zugenommen, auch wenn die Waage keine Änderung zeigte.

A ghràidh.“ Ian griff nach Vanessas Hand und beugte sich zu ihr. Er machte den Anschein, unser Gespräch verstanden zu haben, aber dann wären seine Deutschkenntnisse besser, als ich bisher angenommen hatte. „Fühlst du dich nicht wohl?“

Süß, leider erinnerte es mich an Finlay und es zerquetschte mich. Einen Augenblick lang konnte ich nicht einmal atmen. Es war, als befände ich mich kilometertief unter Wasser und der Druck verhinderte, dass ich meine Lungen mit Luft füllen konnte. Panik wallte in mir auf. Mit einem Japsen durchbrach ich den Bann, auch wenn ich ihn immer noch um mich fühlte.

Mir geht es gut. Entschuldige“, wisperte sie. Während ich es nicht einordnen konnte – wofür bat sie um Verzeihung – machte Ian den Eindruck, es genau zu verstehen. Ein Lächeln flackerte auf, hob seine Mundwinkel um genau die nötigen Millimeter, dass es zu einem zärtlichen, nachsichtigen Lächeln wurde, was mir fast das Herz brach.

Dummkopf“, flüsterte Ian, womit er

meine Vorstellung von einem perfekten Mann ruinierte, auch wenn Vanessa ihn immer noch ansah, als wäre er der Traumprinz schlechthin.

A ghràidh agam ort.“

Vanessa strahlte, von ihrer zuvorigen Niedergeschlagenheit war nichts mehr zu sehen. Witzig.

Ich liebe dich auch, Ian.“

Mein Magen entleert sich jeden Moment.“ Ordinär für eine Duchess. „Können wir uns auf etwas Anstand einigen?“

Gefühle auszudrücken entbehrt keinen Anstand, màthair.“ Ian küsste die Hand seiner Frau und legte sie mit seiner verschränkt auf dem Tisch ab. „Im Gegenteil.“

Du vergisst, wer du bist!“

Es reicht, màthair. Noch ein Wort und du kannst den Rest deines Lebens auf deinem Witwensitz verbringen. Und ich glaube nicht, dass du dort sehr viel Gesellschaft bekommen wirst.“

Auch diesen Zug kannte ich von den McDermitts, diese unterschwellige Gemeinheit.

Damit drohst du mir gern, nicht wahr, mein Sohn?“ Die Duchess wollte sich nicht einschüchtern lassen, auch wenn sie sich deutlich mäßigte.

Ich erkenne langsam, was dir daran so viel Vergnügen bereitete.“ Er grinste diabolisch. Vanessa legte ihre Hand auf ihre gemeinsam verschränkten.

Ian.“

Er reagierte umgehend. Er wandte sich ihr zu und sein kaltes Grinsen wärmte sich auf. „Entschuldige, a ghràidh, sie reizt mich.“

Ich weiß.“

Nun, vielleicht ist es an der Zeit, unsere Bürde zu teilen?“

Vanessa schnaubte. „Das willst du deinen Geschwistern antun?“

Er zuckte die Achseln. Seine Haltung war locker und entspannt, als wäre der vorherige Moment nie dagewesen. Er grinste und war wieder der süßeste Kerl in ganz Britannien.

Wir haben uns etwas Ruhe verdient und man kann sie nicht aus den Augen lassen.“

Misstrauen kannte ich auch zur Genüge. Es musste den McDermitts in den Genen stecken, warum sonst erkannte ich all diese Eigenschaften von Rourke und seinem Vater, dem Duke of Skye vor 260 Jahren, wieder?

Das widerspricht sich.“ Ich biss mir auf die Lippe. Eigentlich hatte ich mich raushalten wollen, schließlich ging mich das hier nichts an, aber mein Mundwerk hatte seinen eigenen Willen.

Wie meinen?“

Jetzt mischen sich bereits Bürgerliche in unsere Familiendiskussionen?“

Die Duchess konzentrierte ihren Groll auf mich, was mir egal war. Sie mochte mich als Ventil sehen, auf dem sie ungestraft herumhacken konnte, sie vergaß nur, dass es für mich ebenfalls galt. Es gab keine Schranken für mich, keinen Grund mich zurückzuhalten.

Màthair.“

Familie“, hielt ich dagegen. Der Aufwind, der durch mich hindurchging, hob meine Laune. Ein Scharmützel war genau das, was ich nun brauchte – eine Ablenkung von meinen eigenen Problemen.

Nur Familie.“

Sie wollte widersprechen, hob auch schon dazu an, verwarf es dann aber zugunsten eines hohen Lachens. „Oh ja, jetzt zählen mehr Bürgerliche zur Familie als uns guttut.“

Das ist deine Meinung, màthair.“

Ich stimme zu.“

Kati!“

Ich zuckte die Achseln. „Niemand will sich in einer Schlangengrube wiederfinden.“

Ian lachte. „Das hört sich sehr nach Liny an.

Lachlans Frau sagte etwas ganz Ähnliches, als mein Bruder sie bat, ihn zu heiraten.“

Vanessa warf ein, dass Lachlan Ians Zwillingsbruder war.

Aber natürlich“, spottete die Duchess mit glimmenden Augen und verzogener Miene. „Als genüge die Aussicht auf ein sorgenfreies Leben nicht, um sich einen Mann an den Hals zu werfen!“

Na, Sie müssen es ja wissen.“ Ich spielte auf die „Frechheit siegt“-Karte und war verblüfft, als sie sich auszahlte. Die Duchess verlor an Farbe. Gut, sie saß weit genug von uns entfernt, dass es auch eine optische Täuschung sein konnte, aber dass sie den Mund hielt, sprach für sich.

Ian räusperte sich. „Vielleicht können wir uns darauf einigen, zu den Mahlzeiten unsere Streitigkeiten ruhen zu lassen.“

Sie ist impertinent“, zischte die Duchess, wobei sie den Stuhl zurückstieß und schwankend auf die Füße kam. „Als genüge es nicht, dass du unseren Namen in den Dreck ziehst, indem du erneut eine Bürgerliche heiratest, nein, du gestattest ihr und ihren Anhängseln auch noch, mich zu demütigen!“

So auszurasten wegen einiger flapsiger Worte deutete darauf hin, dass ich einen wunden Punkt getroffen hatte. Hatte sie den Duke tatsächlich etwa nur des Geldes wegen … schon weit hergeholt, also verwarf ich den Gedanken schnell wieder.

Ian presste die Lippen aufeinander. Er rang mit sich, oder wusste er einfach nicht, wie er sich gekonnt aus der Situation ziehen konnte?

Wenn es Sie beruhigt, ich hatte nicht vor, Sie zu demütigen. Soll ich mich entschuldigen?“

Ich hätte mich wohl besser nicht eingemischt, denn die Duchess durchbohrte mich mit ihrem giftigen Blick, bevor sie davonrauschte.

Ich weiß nicht genau, was ich Falsches gesagt habe.“

Vanessa seufzte schwer.

Ich fürchte, es ist der Widerspruch an sich, Katharina. Ich entschuldige mich für die Angriffe meiner Mutter und ihrer übertriebenen Dramatik.“ Er schüttelte den Kopf, wobei er noch immer zu Tür sah, durch die die Duchess entschwunden war.

Dann sollte ich lieber den Mund halten?“, bot ich an. Vanessa griff den Vorschlag mit einem Schnauben auf.

Du und den Mund halten? Das will ich erleben.“

Sie wäre verblüfft, wenn sie wüsste, wie gut ich mir mittlerweile auf die Zunge beißen konnte, wenn es vonnöten war.

Ich bin lernfähig, liebe Schwester.“

Offenbar“, mischte Ian sich ein. „Wann hast du nun Gälisch gelernt? Dein Akzent ist kaum hörbar.“

Tabadh leat.“ Dafür hatte Mairead mich auch nur mit einer Millionen Wiederholungen gequält. Ich musste grinsen, obwohl es mir damals wie reine Folter vorgekommen war, schließlich war ich der Meinung gewesen, es exakt so ausgesprochen zu haben, wie ich es hörte.

Raus mit der Sprache!“, forderte Ian erneut. Er nahm einen Schluck von seinem Wein und bedeutete den Bediensteten, uns aufzutischen.

So zwischendurch“, wich ich aus. „Ein Sprachführer auf dem Flug …“ Hanebüchener Unsinn, aber mit der Wahrheit sollte ich vorsichtig sein. Mir spukten Horrorgeschichten über britische Irrenhäuser im Kopf herum. Gut, wahrscheinlich eher Amerikanische und genährt von der Horrorserie, die mein Ex so geliebt hatte, aber letztlich wollte ich nirgends eingewiesen werden, weil man an meinem Verstand zweifelte.

Da das Thema unglücklich war, suchte ich nach einer Ablenkung. „Dürfen wir uns auf Nachtisch freuen?“ Zwar glaubte ich nicht, auch nur einen Bissen herunterzubekommen, aber alles war mir recht, wenn ich der Befragung nur entkommen konnte.

Oh, bitte Scones!“, rief Vanessa aufgeregt. Sie griff über den breiten Tisch und streckte die Finger dann in meine Richtung aus. „Du wirst sie lieben!“

Die Makronen sind ebenfalls zu empfehlen.“ Ian grinste nachsichtig und gab dem Bediensteten einen Wink. „Ich nehme an, wir überspringen den nächsten Gang und beschleunigen das Abendessen. A ghràidh?“

Vanessas Lächeln war zu viel für mich. Ich senkte den Blick auf meinen Platzteller und atmete tief durch. Tränen brannten in meinen Augen, aber das Schluchzen zurückzuhalten, war wesentlich schlimmer. Es blockierte meinen Hals.

Wenn es dir auch recht ist, Katharina.“

Ich konnte nicht aufsehen, nicht antworten, nicht einmal die Finger lösen, die sich von mir unbemerkt um die Lehnen meines Stuhls geklammert hatten.

Kati?“

Ein Krächzen entwich mir.

Oh Gott!“ Meine Schwester sprang auf und kam um den Tisch herum, um sich neben mich zu knien. Ihre Hand bebte, als sie mich berührte. „Du brauchst einen Arzt!“

Nein“, brachte ich mühsam hervor. Meine Stimme klang so gar nicht nach meiner. „Mein Spaziergang“, fuhr ich hektisch fort und stolperte über meine Worte. „Nur etwas … zu anstrengend.“

Vanessa war nicht überzeugt. Sie musterte mich, durchleuchtete mich mit ihrem Blick. „Wir sollten Doktor Cameron verständigen.“

Den Impuls, es Vanessa schnell auszureden, schluckte ich mühsam herunter. „Wenn du meinst“, murmelte ich stattdessen, „aber ich halte es für unnötig. Ich bin erschöpft, nichts weiter.“

Es ersparte mir nicht den Besuch des Arztes.

Kapitel 3 Die Fairy Pools

Es war nicht schwer, den Durchgang zur Plattform der Fairy Pools zu finden, auch wenn mich mein Fahrer nicht dort abgesetzt hatte, wo ich beim letzten Mal mit Vanessa ausgestiegen war. Mir schwindelte, als ich den Pfad emporkraxelte, Bilder überlagerten sich. Ich war diesen Weg einmal mit meiner Schwester gegangen und einmal mit Finlay, momentan konnte ich die Erinnerungen nicht auseinanderhalten, sie verschwammen ineinander. Menschen kamen uns entgegen und auch wieder nicht. Jemand rief uns an, stehenzubleiben, aber gleichzeitig herrschte ein reges Geschnatter der Touristen – und absolute Stille. Denn im Jetzt und Hier war ich völlig allein. Es wunderte mich nicht genug, um mich aus der Verwirrung zu reißen, es fiel mir nur auf, irgendwo im Unterbewussten.

Wie ich die Ebene überquerte, wusste ich nicht, denn urplötzlich stand ich am Abhang und starrte in die aufpeitschende Gicht des Wasserfalls, der nun unter mir lag. Die Sonne brach sich in Myriaden von Wassertropfen. Obwohl ich die Augen schloss, ließen die Lichtblitze sich nicht vertreiben, mir schwindelte und ich suchte nach einem Halt.

„Kommt.“ Finlay half mir auf, und schob mich in Richtung des tosenden Wasserfalls. Das Wasser legte sich wie ein Umschlag um mich, obwohl es nur aufgepeitschte Tropfen waren. Es war soweit. Mein Herz schlug zum Zerspringen. Furcht und Freude rangen miteinander, als ich an den Rand trat und hinunter in den Pool sah. Nur die weiße Gischt war auszumachen.

Ein Schuss riss mich aus meiner Zufriedenheit. Ich fuhr herum, und rutschte ab. „Finlay!“ Panisch suchte ich nach ihm, das durfte nicht sein. Ich durfte ihn nicht verlieren, nicht jetzt! Ein weiterer Schuss durchbrach die Nacht, und endlich konnte ich Finlay ausmachen. Er torkelte über die Klippe, als ich im Wasser aufschlug. Ruhe legte sich über mich. Ich sank und ich schloss mit einem breiten Grinsen die Augen. Es war gut so. Ich brauchte keine Technik, kein immer erreichbar sein und auch meine Bekannten und Familie vermisste ich nicht so sehr wie Finlay.

Ich wollte nur eines: bei ihm sein. Der Sauerstoff ging mir aus. Unwillkürlich öffnete ich den Mund und schluckte Wasser. Panik ließ mich spucken. War ich beim letzten Mal auch fast ertrunken?

Ich sank wie ein Stein, obwohl ich mir sagte, Wassertreten zu müssen. Meine Glieder gehorchten mir nicht, genauso wenig, wie meine Arme. Schwärze knabberte an meinem Verstand, übernahm mein Sichtfeld und engte es immer mehr ein. Ich ertrank, aber die Erkenntnis änderte nichts. Ich blieb erstarrt, ging unter, als wäre ich aus Beton, und war darüber nicht einmal beunruhigt.

Ein Arm schlang sich um meine Mitte und zerrte mich hoch. Trotzdem dauerte es, bis ich durch die Oberfläche brach und nach Atem japsen konnte. Bedauerlicherweise gab es keinen Sandstrand, das Ufer bestand aus einem Sammelsurium an unterschiedlichen Steinen. Einer riss mein Hosenbein auf. Ich wurde abgelegt und eine Silhouette, die mir bekannt vorkam und meinen Puls in die Hähe schießen ließ, beugte sich über mich. Meine Lider klappten zu.

Finlay.

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Leseprobe: Ein Fall von Liebe

1. Wunderschöne Isle of Skye

Obwohl ich es genoss, von einer luxuriösen Limousine von A nach B gebracht zu werden, wünschte ich endlich anzukommen. Der Tag war lang genug gewesen, der Flug zwar mit zwei Stunden kurz, aber nicht weniger nervig als die Fahrt mit öffentlichen Verkehrsmitteln von Recklinghausen zum Flughafen nach Düsseldorf, aber das hatte ich zumindest selbst zu verantworten. Eigentlich hätte ich von Köln aus fliegen können, wenn ich mich nicht bereit erklärt hätte, die Lieblingsbücher meiner Schwester aus unserem Elternhaus mitzubringen. Tja, in den letzten Jahren, die ich in der Metropole am Rhein zugebracht hatte, hatte ich wohl vergessen, wie beschwerlich alles in Kaffs war, wie jenem in dem ich aufgewachsen war. Dass der Flughafen auch noch umbaute und das reine Chaos herrschte, war nicht vorhersehbar gewesen, und der Ausfall der Steuerbordturbine wurde zum I-Tüpfelchen meiner Reise. Wäre ich ein spiritueller Mensch, hätte ich es als böses Omen betrachtet, so aber überlegte ich, ob es Rückerstattungs-Klauseln gab, die ich in Anspruch nehmen konnte. Das Nachdenken hielt mich während der Fahrt beschäftigt, nicht das Panorama, dem ich mich nur widmete, wenn ich nicht nachdachte.

Seufzend riss ich mich vom Anblick des schillernden Nord-Atlantischen-Meeres los. Wir fuhren über eine Brücke, die das schottische Festland mit der Isle of Skye verband, demnach konnte es nicht mehr weit sei. Entschlossen ging ich online alle Artikel durch, die das Reiserecht abdeckten und markierte wichtige Passagen. Mein Laptop rutschte auf meinen Knien hin und her, was zu Fehlmarkierungen führte und mich von meiner Recherche ablenkte.

Die Aussicht änderte sich zwar, aber es blieb Natur, an der ich vorbeifuhr. Keine Häuser auf weiter Flur. Stattdessen fuhr die Limousine die millionste Biegung und den Hang wieder hinunter, den wir gerade erst gemeistert hatten. Wieder hoch und wieder runter. Besuchten wir Schneewittchen hinter den sieben Bergen?

Natürlich war meine Schwester Vanessa nicht Schneewittchen, und wenn sie mit sieben Zwergen zusammenlebte, würde ich schnurstracks wieder umkehren. Langsam fragte ich mich, in welches Niemandsland sie mich gelockt hatte. Fein, ich hatte Semesterferien und es hielt mich nichts in der Heimat, aber diese Odyssee war nicht besser, als weitere drei Wochen mit meinem Ex Felix in unserer engen WG aushalten zu müssen.

Unmut kribbelte in meinem Magen und ich griff nach meiner Tasche, im Begriff Vanessa anzurufen und zu fragen, in welchem verschlafenen Nest man mich absetzen würde, als ein Häuschen an mir vorbeiglitt. Ein altes Fachwerkhaus übersät mit Margeriten, Hortensien, Nelken und Blumen, die ich nicht benennen konnte, in allen möglichen Farben. Wie süß. Leider wurde es wieder von Rasen abgelöst, aber dahinter ragte plötzlich eine riesige Burg-Anlage aus dem Grün. Grau, trutzig und verwunschen.

Natürlich war ich von meiner Schwester vorgewarnt worden, aber irgendwie hatte wohl niemand in der Familie so recht geglaubt, dass an ihren Geschichten etwas dran war. Plötzlich ging es ihr gut? Sie hatte angeblich den Mann ihrer Träume getroffen, der sie binnen einer Woche geheiratet und auf sein Schloss in die Highlands entführt hatte? Also bitte, die Zeit für Märchen war längst vorüber!

Schön, ich war also eine Zynikerin, die ihrer großen Schwester generell kein Wort glaubte. Schon gar nicht, wenn es sich um unsterbliche Liebe, Seelenverwandtschaft und ähnlichem Schmu handelte. Die Sache zwischen Mann und Frau war simpel: Es ging um Sex. Männer interessierten sich nur so lange für einen, wie sie einen benutzen konnten, nett waren sie nur, bis sie einen eingefangen hatten. Und wir Frauen? Wir redeten uns ein, verliebt zu sein, um uns nicht eingestehen zu müssen, dass wir uns demütigen ließen. Traurig, aber wahr.

Felix hatte mir die Augen geöffnet, aber letztlich waren meine Beziehungen davor auch nicht anders verlaufen, mit dem Unterschied, dass dieses Mal ich es war, die ging. Ich hatte genug von seiner Ignoranz, von seinem Paschagehabe und seinen Forderungen. Und, ja, geliebt hatte ich ihn nie richtig.

Wir kamen näher und aus riesig wurde phänomenal: Dunvegan Castle. Eine richtige Burg, nicht zu fassen. Die gesamte Länge der Vorderfront war gekiest, dann schloss sich eine gepflegte Rasenfläche an. Das Gemäuer wirkte alt, der Putz hatte Risse, aber die dutzend Fenster funkelten im Sonnenlicht. Zwei Türme flankierten die Ecken und man sah, dass es hinten drei weitere Türme gab. Standarten wehten im Wind. Das Eingangstor wirkte übermächtig und passte nicht in meine Vorstellung einer Burg, denn es war keine Zugbrücke oder etwas ähnliches, sondern eine zweiflüglige Tür, hoch, breit und aus dickem Holz.

So ganz verinnerlicht hatte ich die neuen Lebensumstände meiner Schwester noch nicht, als der Chauffeur mir die Tür öffnete und mir die Hand hinhielt, um mir beim Aussteigen zu helfen.

Ich war fünfundzwanzig und nicht halbtot, aber ausweichen konnte ich der Geste nicht. Meine Tasche wurde mir ungefragt abgenommen und in Richtung Eingangsstufen bugsiert. Meine Schwester kam mir dort bereits entgegen.

Katharina!“ Sie strahlte, was mich urplötzlich stehenbleiben und blinzeln ließ. Sah aus wie Vanessa, klang wie Vanessa, konnte aber unmöglich …

Sie umarmte mich. „Wie schön, dass du mich endlich besuchen kommst!“

Also gut, sie klang doch nicht wie meine Schwester.

Vanessa schob mich von sich, um mich zu mustern. „War ein langer Tag, was? Hast du die Fahrt genossen? Ich hoffe, du hast nicht die Minibar im Auto leergetrunken und erleichterst gleich deinen Magen in der Halle.“ Nicht lustig, trotzdem lachte sie auf. Wie unheimlich. Tatsächlich konnte ich mich nicht entsinnen, wann ich sie zuletzt lachen gesehen hätte.

Komm rein. Ich zeige dir dein Zimmer. Ich warne dich, es ist so groß wie deine gesamte WG!“

Klar. Vanessa hakte sich bei mir unter und zog mich die Stufen hoch und durch das riesige Portal. Die Eingangshalle war beeindruckend,neben mannshohen Fenstern hingen Teppiche an den Wänden. Zwei erzählten, ähnlich wie aufwendige Gemälde, eine Geschichte von einer Schlacht und das Gebilde über dem Kamin war wohl ein Wappen. Die Farbe war verblichen und das Material mitgenommen. Es musste uralt sein, wie auch der Rest der ausgestellten Dinge. Hellebarden flankierten den Kamin, Kelche und ein Kandelaber standen auf dem Sims und trugen ebenfalls Insignien.

Sie ließ mir keine Zeit, mir alles genau anzusehen, sondern zog mich weiter, durch den Saal, der sich anschloss, zu einem monströsen Relikt eines Fahrstuhls — neben einer nicht minder beeindruckenden Treppe, die ich tausendmal lieber emporgestiegen wäre, als dieses Höllenteil zu nutzen, das aus einem Drahtkäfig bestand.

Wir können auch die Treppen nehmen, aber es sind unzählige Stufen.“

Und wenn schon!

Bei dem Teil wüsste ich nicht, welche Angst zuerst zuschlüge: Klaustrophobie, Cremnophobie, Karagulophobie oder Stenophobie.“

Vanessa schnaubte. „Fachchinesisch? Glaubst du, das beeindruckt mich?“

Angst vor engen Räumen, Abgründen, sich lächerlich zu machen und vor Enge an sich. Und ja, ich wollte etwas aufschneiden, schließlich hältst du mich für einen Dummkopf.“ Dabei war ich es, die studierte, während Vanessa nur eine Ausbildung absolviert hatte und nicht mal eine herausfordernde, wenn man mich fragte. Hotelfachfrau war doch nichts weiter als eine nette Umschreibung für Mädchen für alles. Sie hätte besser mal was Nützliches gelernt, Steuerfachangestellte oder PTA.

Nein, nur für faul.“ Wie immer nahm sie kein Blatt vor den Mund. „Wie läuft dein Studium?“ Und stocherte in der Wunde herum.

Gut. Hervorragend. Könnte nicht besser laufen!“ Ich drehte ihr den Rücken zu und nahm die Treppe, abhängen konnte ich meine Schwester, den ollen Terrier, aber nicht.

Ach wirklich? Zuletzt hieß es, dass du das Semester wiederholen musst.“

Das war keine aktuelle Information, Vanessa war nie up to date.

Reite doch nicht darauf herum.“

Vanessa seufzte. „Lassen wir das. Du sollst dich hier erholen und amüsieren.“

Und ablenken, aber das brauchte ich nicht laut auszusprechen.

Wie geht es Mama?“, fragte Vanessa nach exakt drei Stufen.

Wie üblich.“

Hm. Ich dachte, sie käme mit.“

Was ich ihr schnell ausgeredet hatte. Die beiden agierten zusammen wie ein altes Ehepaar und Vanessa vergaß, dass sie nur meine Schwester war und niemand, der mir Ratschläge zu erteilen hatte.

Na, vielleicht ein andermal.“ Sie klang enttäuscht, ließ es sich aber nicht ansehen. „Ich habe extra ein Zimmer bereitstellen lassen, das sich nicht am A… der Welt befindet. Ich verlaufe mich hier immer noch und das wollte ich dir ersparen.“

Danke.“

Vanessa bog ab und nahm die erste Tür. In einem Hotel wäre es wohl das Zimmer, das man lieber nicht haben wollte, direkt an der Treppe war es bestimmt nicht gerade ruhig. Die Aufmachung war ebenso wie alles Bisherige steinalt. Holzvertäfelung an den Wänden plus geweißte Steinmauern, ein riesiges Himmelbett, komplett aus schwerem Gehölz, dazu noch ein großer Kamin.

Wow, ich begann schon, dich zu beneiden.“ Unnötigerweise, denn alles in allem fehlte es hier an Komfort.

Ich weiß, es ist einfach, aber alle moderneren Zimmer sind so abgelegen, dass man sich verläuft.“ Ihr Kopf ruckte nach rechts. „Drüben im Südtrakt. Von hier findest du schneller zu den Salons und Speisesälen.“

Plural, was mir natürlich auffiel. „Wie viele davon gibt es?“

Vanessa winkte ab. „Unzählige.“ Sie verdrehte die Augen. „Hast du dich mal gefragt, was man mit so einem alten Kasten anfangen soll? Zimmer ohne Ende und alle stehen leer.“ Sie hob die Achseln. „Was für eine Verschwendung.“

Mach ein Hotel draus.“ Der Kamin zog mich an. Er war groß genug, dass ein Kind aufrecht in ihm stehen konnte. Meine Fingerspitzen berührten die glatte Oberfläche und glitten über die tiefe Einkerbung. Sah aus, als hätte man versucht, ein Stück herauszuhacken. „Muss ich mir hier mein Wildschwein selber braten?“

Sie schnaufte mit einem unterdrückten Lachen. „Du bist hier all inclusive, Dearie, und ich will sehen, wie du das meinem Mann verkaufst. Ein Hotel, vermutlich fällt ihre Gnaden bei dem Vorschlag tot um.“

Ich?“ Das hätte sie wohl gern. „Ist deine Baustelle, Schwesterchen, da misch ich mich nicht ein.“

Sie seufzte mit einem Achselzucken und ließ das Thema auf sich beruhen. Scheinbar, denn so wie ich meine Schwester kannte, ratterte ihr Hirn bereits, um meine Idee nach Schwachstellen abzuklopfen. Statt eines Stapels Argumente, warum mein Vorschlag absolut hirnrissig war, bekam ich eine Führung serviert. „Also, wenn du dich frisch machen willst, dort geht es zum Bad.“ Vanessa ging vor und drückte ein Paneel an der Wand auf. Eine Art Geheimgang, der ins nächste Zimmer führte. „Du hast das Bad für dich allein, aber es gibt einen zweiten Zugang vom anderen Schlafzimmer.“ Sie deutete auf die Nische gegenüber. „Es ist unbenutzt, dich sollte also keiner überraschen. Die Dienstmädchen, die hier saubermachen, werden sich aus dem Staub machen, sobald sie dich bemerken.“

Wo ist die Dusche?“ Ich schob sie zur Seite, aber auch in der hinteren Ecke tauchte die nicht auf. „Baden? Echt jetzt?“

Immerhin gibt es heißes Wasser.“ Vanessa zwinkerte verschmitzt, bevor sie auflachte. „Hey, in früheren Jahrhunderten musste das Wasser in Kübeln auf dem Feuer der Kamine, wie der in deinem Zimmer, erwärmt werden. Schwelge also in unendlichem Luxus!“ Sie prustete erneut.

Haha!“ Sehr lustig, vor allem, wo war der Luxus, den ich mir nach der Fahrt in der Limousine und der ersten Klasse bei Britisch Airways — laut Originalbuchung und nicht, worauf ich schließlich hatte zurückgreifen müssen — erhofft hatte.

Der Spa-Bereich hat eine Dusche und ist leicht zu finden.“ Sie grinste, als hätte sie meine Gedanken gelesen. „Die Treppe runter und den Gang zur Linken bis zum Ende. Ein Freiluftsalzbad, ein Whirlpool, eine Sauna und ein extralanges Becken fürs Schwimmtraining. Ich muss dich aber warnen …“

Noch mehr Dienstboten?“

Nein, mein Mann.“ Vanessa zog die Wand hinter sich wieder zu, wodurch ich die Schlaufe bemerkte, mit der sie zu öffnen war. „Er schwimmt zwei Mal am Tag und verbringt mindestens eine Stunde im Fitnessraum gegenüber.“

Also liefe ich meinem unbekannten Schwager häufiger über den Weg, als es mir recht sein konnte. Offengestanden stand ich ihm skeptisch gegenüber, schließlich kannte ich Vanessas Geschmack und der war grottig.

Es klopfte.

Euer Gnaden“, murmelte ein Bediensteter, ohne in unsere Richtung zu sehen, und verbeugte sich vor uns. „Das Gepäck der Miss.“ Er hob meinen Koffer und meine Tasche. „Scott verwies darauf, dass es hier abzuliefern sei.“

Kommen Sie rein. Das ist meine Schwester Katharina.“ Sie drehte sich mir zu und suchte meinen Blick. „Das ist unser Interimsbutler Ferris. Ihre Gnaden ist nicht zufrieden mit ihm, was es leider nötig macht, ihn irgendwann zu ersetzen. Wenn du Fragen hast oder etwas brauchst, bitte eines der Mädchen darum oder wende dich an Ferris. Er kennt sich hier aus.“

Verdattert musterte ich den Interimsbutler, der mein Gepäck am Fußende des Bettes abgestellt hatte und nun vor uns stehenblieb, die Hände auf dem Rücken, steif wie ein Brett und ohne eine von uns anzusehen. Hier waren sogar die Dienstboten Snobs.

Hallo Ferris.“

Miss Hagedorn.“ Er stolperte über meinen Namen und leichte Röte schoss in seine Wangen. „Euer Gnaden.“ Er wartete auf Vanessas Nicken und verschwand wie ein Geist. Nur das Puff fehlte.

Euer Gnaden?“ Das war lächerlich.

Die bestehen darauf.“ Sie seufzte. „Also kann ich dich gleich mitschleifen, oder brauchst du nach dem Stress der Anreise etwas Ruhe?“

Wohin willst du mich schleifen?“ Mein Magen knurrte, und zwar nicht in Zimmerlautstärke.

Vanessas Augen wurden rund. „Wie wäre es mit einem Snack?“

Aufmerksam, das musste ich ihr lassen.

Na komm, Auspacken kannst du immer noch, oder lass das eines der Mädchen machen. Das Dinner ist um sechs, also lohnt es sich nicht, noch ins Bett zu gehen. Auf keinen Fall solltest du zu spät zum Dinner kommen.“ Sie schauderte merklich. „Und du hast doch etwas Formelleres dabei? Ich kann dir auch was leihen.“ Dieses Mal war ihr Blick, der über mich glitt, kritisch. „Du darfst auf keinen Fall in Jeans …“ Gurgelnd brach sie ab und zeigte endlich einen Hauch ihres eigentlichen Selbst. Sie sackte zusammen und schlug sich die Hände vor das Gesicht. „Oh, Mann, bitte versprich mir, die Duchess nicht unnötig aufzuregen. Sie raubt mir den letzten Nerv.“

Wer ist die Duchess?“

Meine Schwiegermutter.“ Sie schaffte es, ihre Stimme klingen zu lassen, als käme sie aus dem Grab.

Ah, das obligatorische Schwiegermonster.“ Tja, wenn sie auch nur halb so schlimm war, wie der Komfort in meinem Zimmer, gab es keinen Grund zu Neid. Grinsend willigte ich ein, mein Bestes zu versuchen, und folgte ihr feixend hinaus in den Flur.

*

Das innere der Burg war tatsächlich verwirrend. Die Treppe hinab in die Halle, dann rechts den Gang hinunter, soweit kam ich mit. Zumal ich den Weg bereits zurückgelegt hatte und mein Zimmer an der Treppe zur Halle lag. Da hatte Vanessa tatsächlich mitgedacht. Die Halle war riesig, besaß eine hohe Decke, einen monströsen Kamin, der in strahlendem Marmor ausgekleidet war. Auf dem Sims standen goldene Kandelaber und eine Art Pokal. Die dunkel vertäfelten Wände ließen den Raum kleiner wirken, aber er maß gut fünfzehn Schritte und führte zu einem zweiten riesengroßen Tor, ähnlich jenem, durch das ich in die Burg gelangt war. Es war nicht die einzige Tür, die mit Schnitzereien verziert dazu einlud, sie länger zu betrachten. Ich folgte Vanessa durch ein Gewirr aus Treppen und Räumen, die allesamt mit Gemälden behangen waren

„Sag mal, was sind das für Tapeten?“ Obwohl wir zügig gingen, nahm ich mir die Zeit, mit den Fingern über die Wandverkleidung des Flures zu streichen, und war beeindruckt von ihrer Weichheit. „Fühlt sich fast an wie …“

„Seide?“ Vanessa lachte auf. „Tatsächlich sind die Wände der meisten Räume und Flure mit Seidentapeten verkleidet. Es gibt Ausnahmen, wie die Zimmer in deinem Flur, die gewöhnlich nicht genutzt werden, und die Verbindungsgänge zwischen den hinteren Türmen, aber generell sind sie farbenprächtig verkleidet.

Plötzlich standen wir in einem Wintergarten. Ein Dschungel aus Sträuchern, Palmen und einem bunten Blumenreigen, bevor wir auf eine ebenfalls bepflanzte Terrasse traten. Ich sah mich beeindruckt um. Die rückwärtige Burgmauer lag ein gutes Stück entfernt und war von dicken Efeuranken bedeckt. Der Terrasse schloss sich ein Garten an. Schmetterlinge flogen umher und Bienen summten geschäftig von Blüte zu Blüte. Vanessa zog an einer Kordel und drehte sich mit einem Lächeln zu mir um.

Komm, setzen wir uns doch.“ Sie deutete auf eine Gruppe Rattanmöbel und wartete, bis ich vorging. „Also warst du bei Mama?“

Aber ja.“ Der Stuhl knarrte unter meinem Gewicht. „Ich war froh, dass ich einen Flug hatte, den ich erwischen musste.“

Vanessa schüttelte den Kopf. „Sie ist ganz allein“, mahnte sie, streckte sich und legte ihre Hand auf mein Knie. „Sie braucht nur hin und wieder jemanden zum Reden.“

Mein Lachen war bitter. „Hast du mich deswegen hingeschickt? Von wegen, du wolltest deine Lieblingsbücher bei dir haben.“

Oh doch, meine Bücher liegen mir sehr am Herzen.“ Sie zwinkerte. „So sehr, dass ich sie mir schon längst geholt habe.“ Sie kicherte. „Entschuldige, aber mit Mama zu telefonieren ist auch kein Spaß, und du bist für sie nie zu erreichen.“

Aus gutem Grund.“

Wir haben Glück, Katharina, glaube mir, es gibt Mutter-Kind-Beziehungen, die sind fürchterlich.“ Sie zog die Hand zurück und lehnte sich seufzend in die weichen Polster. „Meine Schwiegermutter zum Beispiel ist der Teufel in Person.“

Eine deiner üblichen Übertreibungen.“ Sie liebte es, sich schlecht zu fühlen, selbst wenn alles hervorragend war.

Oh, wenn du wüsstest!“ Ihre Aufmerksamkeit driftete ab. „Ferris, wir benötigen Tee und Sandwiches. Kati? Hast du einen Wunsch?“

Tee?“ Sie war wirklich komisch.

Entschuldige, es wird zur Gewohnheit. Kaffee natürlich. Möchtest du Kuchen?“

Nein, Sandwisches sind super.“ Selbst wenn man die Wahl hatte. „Es ist hübsch hier.“ Der Innenhof war riesig, oder wirkte zumindest so, da die Beete und Wege verschlungen angelegt waren. Die Mauern um ihn herum waren mit Efeuranken bedeckt. Ich zählte vier Stockwerke und wunderte mich, wie viele Zimmer es hier wohl gäbe. Zu viele vermutlich.

Du lenkst ab.“ Sie lachte. „Aber ja, es ist schön hier.“

Und ruhig.“ Gerade mal das Zwitschern der Vögel war zu hören. „Aber wir sind am A… der Welt, nicht wahr?“

Danke Ferris, das ist dann alles. Oh, ihre Gnaden muss nicht wissen, wo wir uns aufhalten.“ Sie lächelte ihm zu. „Meine Schwester und ich brauchen etwas Zeit für uns.“

Der Butler verbeugte sich eckig und verschwand lautlos.

Ja, wir sind am Arsch der Welt.“ Sie kicherte. „Aber es ist herrlich hier.“ Ihr Grinsen verwischte. „Meistens.“

Deine Schwiegermutter?“ Langsam wurde ich neugierig. „Erzähl.“

Vanessa verdrehte die Augen, strich sich eine Strähne aus der Stirn und seufzte gedehnt. „Wo fange ich da nur an?“

Vorne.“ Wo sonst?

Sie hasste mich von Anfang an. Ich bin ihr nicht gut genug.“ Ihr Seufzen war tonnenschwer. „Jedes Wort, das ich vorbrachte, nutzte sie gegen mich. Jede Information wurde zur Waffe. Mein Mann hatte mich gewarnt, ja, aber das war dann doch eine Nummer zu arg für mich.“

Komm schon, Tacheles, hör auf in Rätseln zu reden!“ Ich war müde und mochte Dinge lieber deutlich, klar und durchschaubar.

Am Tag der Beerdigung des alten Dukes hat sie mich in der Wildnis ausgesetzt.“

Das glaubte sie doch wohl selbst nicht!

Zuvor hat sie mich durcheinandergebracht, meine Eifersucht benutzt und mein nagendes Gewissen, damit ich mich schlecht fühlte. Schlecht genug, um …“ Sie zuckte die Achseln und machte ein zerknirschtes Gesicht. „Mir fiel zu spät auf, dass ich auf dem falschen Weg war. Ich war schon fast am Wasserfall der Fairy Pools angelangt, als ich in Zweifel zog, dass die Beisetzung auf einem Berg stattfinden sollte, der nicht befahrbar war.“ Sie lachte auf. „Das war idiotisch, glaub mir, ich habe mich gefühlt, wie der größte Trottel.“

Immerhin konnte sie nun darüber lachen, was ein Fortschritt war zu ihrer üblichen Art, über vergossene Milch zu lamentieren.

Der Anblick da oben ist phänomenal, aber natürlich habe ich ihn nicht genießen können.“

Der Butler Ferris war zurück und stellte ein Tablett mit Kaffee und Sandwiches auf dem Tisch zu unserer Linken ab, um dann einzugießen. „Milch und Zucker, Euer Gnaden?“

Nur Milch bitte. Kati?“

Schwarz, danke.“

Vanessa nahm ihre Tasse samt Untertasse entgegen und senkte sie in ihren Schoß. „Danke, Ferris, wir kommen nun zurecht.“

Der Kaffee dampfte, sein würziges Aroma fiel mir gleich auf und ich hob die Tasse, um ihn zu inhalieren.

Ich zeige dir die Fairy Pools. Es ist ein wundervoller Ausblick.“

Erwähntest du bereits und ich bin mir nicht sicher, ob ich tolle Aussichten benötige.“ Oder ausgedehnte Wandertouren, schließlich war es kein Ort, an dem man mit dem Wagen vorfahren konnte.

Es lohnt sich.“ Sie nippte an ihrem Kaffee. „Aber lass mich zu Ende erzählen. Ich wollte den Weg nicht zurückgehen, weil meine Füße in den Pumps wahnsinnig schmerzten, also bin ich runtergeklettert.“

Du bist was?“ Das war doch Wahnsinn.

Nachher dachte ich mir auch, dass es bescheuert war, den Hang hinunterzuklettern, aber …“ Sie zuckte die Achseln. „Ich wollte einfach nicht den ganzen Weg wieder zurückgehen.“

Du bist verrückt!“

Sie seufzte. „Das ist ja nichts Neues.“

Ich musste lachen und Vanessa fiel mit ein. Unsere Tassen klapperten und Kaffee schwappte über.

Das Beste kommt erst noch.“ Sie hob die Brauen und grinste so verschmitzt, wie ich es bei ihr noch nie zuvor gesehen hatte. „Ich war mutterseelenallein im Nirgendwo, fror, hatte Hunger und Durst und war verzweifelt.“ Was ich mir hervorragend vorstellen konnte. „Keine Menschenseele weit und breit, nur eine kleine, verschrobene Hütte, die zwar verlassen wirkte, aber offenkundig bewohnt war.“

Ihre Augen blitzten auf. Langsam wurde sie mir unheimlich, ich konnte mich kaum entsinnen, sie jemals so positiv erlebt zu haben. Ihre Depression war immer schon vorhanden gewesen, selbst, als sie sich noch glücklich verheiratete wähnte. Sie hatte sich ein Kind gewünscht, hatte so danach gelechzt, dass jeder Fehlschlag einen Teil von ihr zerstört und sie tiefer in die Melancholie gerissen hatte. Nichts davon war ihr nun anzumerken.

Mir war so elendig, dass ich die Hütte betrat und mir Feuer machte.“ Ihre Unterbrechung sollte wohl für Spannung sorgen, langweilte mich aber nur. Diese Spielchen hasste ich, ich wollte nicht unterhalten werden, sondern die Fakten hören.

Als der Bewohner zurückkam, war es bereits Abend und die Silhouette hob sich gespenstisch vom Hintergrund ab.“

Erzählst du mir jetzt eine Story, oder was passiert ist?“

Sie lachte auf und machte einen Wisch mit der Hand, bevor sie ihre Tasse aufnahm und an ihrem Kaffee nippte. „Banause. Also schön. Die Bewohnerin heißt Gail McInnes und sie lebt dort völlig zurückgezogen. Sie ist eine wundervolle Person, ich werde sie dir vorstellen.“

Da sie so verdammt enthusiastisch war, wollte ich sie nicht bremsen, auch wenn ich nicht Bekanntschaft mit verschrobenen Schottinnen machen musste, um meinen Aufenthalt zu versüßen. Ich brauchte nur Abstand und etwas Zeit für mich, um meine Gedanken und Gefühle zu ordnen.

Felix war Tabu, mein Ex war nicht der Richtige und auch nicht gut für mich gewesen, damit konnte ich mich abfinden. Besser als er zumindest.

Sie nahm mich auf, und obwohl es ihr gesundheitlich nicht gut geht, brachte sie mich am nächsten Tag nach Dunvegan zurück“, fuhr Vanessa fort. „Sandwich? Greif zu. Wenn du einen Wunsch hast, lass es mich wissen.“

Um sie zu beruhigen, nahm ich mir einen Teller und häufte mir Brot auf.

Möchtest du noch Kaffee? Warte, dass der Mist immer so weit weg stehen muss!“ Vanessa zerrte den Tisch mit dem Tablett näher an uns heran. „So. Besser, oder?“ Sie seufzte, während sie sich mit einer frischen Tasse Bohnenaufguss zurücklehnte und die Füße anzog. „Es war die längste Wanderung meines Lebens.“

Wie? Sag nicht, es gibt hier keine vernünftigen Straßen.“

Doch, aber sie meinte, querfeldein ginge es schneller.“ Vanessa verdrehte die Augen. „Sie hatte sicherlich recht, denn über die Straßen zu ihr zu gelangen, ist mit einem riesigen Umweg verbunden.“

Oh, sie hat kein Auto, was?“

Vanessa schüttelte den Kopf. „Sie lebt sehr einfach. Ihr fließend Wasser ist der Fluss vor ihrer Tür.“

Oh, Gott!“ Das konnte ich mir nicht einmal vorstellen. Ich liebte die Moderne mit all ihren Möglichkeiten und Vereinfachungen. Mir jeden Morgen Wasser ins Haus zu schleppen, um mich waschen oder etwas kochen zu können — nein danke.

Als wir hier waren, wollte uns der damalige Butler nicht ins Haus lassen.“ Wieder hob sie die Brauen und sah mich eindringlich an. „Ist das zu fassen? Ich war mit dem Besitzer verheiratet und er wollte mich aus dem Haus werfen! Wenn Ian nicht rechtzeitig Heim gekommen wäre …“ Sie schüttelte den Kopf. „Die Duchess hat behauptet, ich sei abgehauen, dabei hatte sie mich ausgesetzt! Mein Mann war wahnsinnig vor Sorge und rund um die Uhr unterwegs gewesen, um mich zu finden.“

Wow.“ Auf so eine Schwiegermutter konnte man verzichten — so Vanessa nicht maßlos übertrieb.

Jepp, sie kann mich ums Verrecken nicht ausstehen.“ Sie kicherte und verschüttete dabei ihren Kaffee. „Es wäre lustig, wenn es nicht so traurig wäre.“ Sie seufzte schwer und tat wieder etwas, was mich überraschte. „Ach, was soll´s? Wenn du aufgegessen hast, zeig ich dir die Burg.“ Sie stockte und musterte mich schnell. „Oder bist du zu müde?“

Verschone mich! Ich packe lieber aus, wenn du nichts dagegen hast.“

*

Dass nicht alles rosig war, hatte ich verstanden, wie dick aber die Wolken waren und wie tief sie hingen, war mir nicht bewusst. Aber ich sollte es herausfinden. Vanessa hatte mich gewarnt, dies hielt ich ihr zugute, trotzdem war ich auf das Zusammentreffen mit der Duchess nicht vorbereitet. Vanessa hatte mich abgeholt, obwohl ich mir zutraute ihrer Beschreibung nach den Speisesaal zu finden, aber sie offenkundig nicht. Entweder das, oder sie befürchtete, dass ich ihren Rat bezüglich meines Outfits nicht beherzigte, denn sie war äußerst angespannt, als ich die Tür zu meinem Zimmer öffnete, und seufzte dann erleichtert. Offenbar bestand mein dunkelblauer, wadenlanger Rock in Kombination mit meiner blütenweißen Seidenbluse, die ich untypisch hoch zugeknöpft hatte, in ihren Augen. Meine Kette passte zu meinen Ohrsteckern und funkelte in einem dunklen Blau, das zu meinem Rock und den Pumps passte.

Sie trieb mich zur Eile an und stürzte die Treppe hinunter — im übertragenden Sinne, obwohl ich mich fragte, ob es nicht doch an ihrer Lebensmüdigkeit lag, dass sie so unvorsichtig schnell die Stufen nahm.

Anstelle des Speisesaals betraten wir eine Art Wohnzimmer, nur das der Fernseher fehlte. Vanessas Hand flatterte in meinem Rücken, als sie mich vorwärts schob. „Ian.“ Ihr Lächeln flackerte. „Euer Gnaden, darf ich euch meine Schwester Katharina vorstellen?“

Im ersten Moment bemerkte ich die Frau gar nicht und hatte nur Augen für den mehr als sexy Typen, der mich angrinste. Himmelblaue Augen und rabenschwarzes Haar, wie ich diese Kombination liebte!

Willkommen, Katharina.“ Seine Stimme war samtweich und weckte einen wohligen Schauer. Seine Berührung war zart und sein Kuss auf meinen Handrücken leider nur angedeutet. „Vanessa hat schon viel von dir erzählt.“

Nur Gutes hoffe ich doch.“ Automatisch hob ich den Kopf und streckte die Schultern zurück. Wenn er nur halb so nett war, wie er aussah …

Er ließ meine Hand los und legte den Arm in Vanessas Rücken, um sie näher an sich zu ziehen. Mir dämmerte es, dass ich die Situation falsch einschätzte. Ian war Vanessas Mann. Ich ratterte durch die Erzählungen meiner Mutter und auch durch die Telefongespräche mit meiner Schwester, aber ich konnte mich nicht erinnern, eine optische Beschreibung von ihm bekommen zu haben. Schön, ich hätte es ihr wohl auch nicht abgenommen, dass sie nicht nur einen vermögenden Mann dazu brachte, sie von heute auf morgen zu heiraten, sondern auch noch einen, der allein durch seine Optik jede Frau rumbekam.

Um nicht aufzufallen — schließlich hatte ich mich bereits auf einen Flirt eingestellt — wandte ich mich schnell ab, um die zweite Person zu begrüßen, und bekam nun den ersten Eindruck der hiesigen Lage präsentiert. Die brünette Frau war in ihren späten Fünfzigern, auch wenn sie es zu verschleiern versuchte. Die Ohrringe, die breite mit Steinen besetzte Halskette, die Armbänder, die nicht weniger opulent geschmückt waren als die auffälligen Ringe, überdeckten sie beinahe und lenkten von ihrer einfachen Kleidung ab. Sicher eine Fehleinschätzung, denn sie passten ihr aufs Genauste. Dafür hatte ich ein Auge entwickelt, als ich mein Praktikum in einer Kanzlei für Familien- und Erbrecht gemacht hatte. Kleidung war ein Statushinweis und deutete auf die finanziellen Hintergründe, besonders bei Dingen, die nicht von der Stange kamen. Da ich für meine Praktika ebenfalls angemessen gekleidet sein musste, wusste ich, was Qualität kostete.

Ach, und Ressentiments erkannte ich auch. Ihre Miene war verkniffen und die Augen glitten mit einem Abscheu über mich, dass ich fast in wildes Gelächter ausgebrochen wäre. Sie kannte mich gar nicht und sah mich an, als wäre ich Abschaum.

Statt zu lachen, streckte ich ihr die Hand hin. „Hallo, ich bin Kati.“ Ich erwartete nicht, dass sie mir die Hand schüttelte, und wurde in dem Punkt auch nicht enttäuscht. Sie sprach nicht einmal mit mir, sondern wandte sich ab. Ihr Blick glitt hinter mich und sie begann zu sprechen. Ich verstand sie nicht, obwohl ich mich einen langen Moment bemühte, Sinn in die Worte zu bringen.

Ian unterbrach sie mit strenger, fast wütender Stimme in ebenfalls unverständlicher Sprache. Er trat vor, kam an mir vorbei und stellte sich zwischen mich und der wütenden Duchess. Vanessa folgte ihm, legte ihm kurz die Hand in den Rücken, bevor sie mir einen ängstlichen Blick zuwarf.

Es tut mir leid“, formten ihre Lippen.

Ich hob die Schultern, es war nicht Vanessas Schuld, sie hatte mich gewarnt. Definitiv ein Schwiegermonster und damit verblasste Ians Attraktivität deutlich. Klar, er war sexy und obendrein reich, aber ich würde es hassen, wenn ständig diese Anspannung um mich herum wäre.

Passenderweise trat Ferris ein, stoisch, wie ich ihn bisher kennengelernt hatte. Er räusperte sich, ignorierte alle Anwesenden als auch die Stimmung im Raum und verkündete laut und mit tragender Stimme: „Das Dinner kann serviert werden. Wenn die Herrschaften mir folgen wollen?“ Er machte kehrt und ging.

Beeindruckt sah ich ihm nach.

Vanessa seufzte. „Manchmal wünschte ich, ich könnte auch einfach gehen“, flüsterte sie mir zu. „Allein essen und ohne diese ständigen Machtkämpfe.“

Warum tun wir es nicht?“ Alles war besser, als einem Streit zu folgen, den man ohnehin nicht verstand.

Katharina!“ Der Tadel steckte bereits in der ersten Silbe.

Also ließ ich die tolle Idee ziehen, aber es gab keinen Grund, stattdessen hierzubleiben. „Komm. Wir wollen doch das gute Essen nicht verderben lassen.“ Ich zog sie mit mir. „Du verstehst auch nicht, worum es geht, oder?“

Sie schüttelte den Kopf und gab ihr Widerstreben nach einem schnellen Blick zurück auf. „Sie wird mir den Kopf abreißen und Ian wird sie dafür wieder auf ihren Witwensitz verbannen.“ Sie klang verzweifelt.

Und das wäre schlimm?“ Hörte sich für mich eher nach einer Win-win-Situation an, also nicht das Kopfabreißen, sondern die Verbannung.

Ich fühle mich schuldig“, vertraute sie mir an. In unserem Rücken herrschte immer noch ein turbulentes Wortgefecht. „Sie ist fürchterlich, auch zu ihren Kindern, aber sie ist die Mutter. Ich finde es falsch, sie einzukerkern und auf Wasser und Brot zu setzen.“

Nun war ich erst recht von Ian beeindruckt. Es brauchte eine gehörige Portion Abgebrühtheit, die eigene Mutter so zu behandeln.

Besonders bei Feierlichkeiten.“

Was gibt es zu feiern?“ Und ich hatte schon befürchtet, ich könnte mich hier langweilen.

Ihren Geburtstag.“ Sie hätte auch etwas Makabres sagen können, wie ihren Todestag oder so etwas, so tief sank ihre Stimme ab.

Na herrlich. Vanessas Miene war göttlich, auch wenn sie sich jeden weiteren Kommentar zu dem Thema verkniff.

Also schön, klär mich auf. Ich dachte, die Landessprache in Schottland sei Englisch.“

Ist es auch“, brummte Vanessa, als sie sich von mir löste und auf einen Stuhl zeigte. „Da ist dein Platz.“ Sie selbst setzte sich mir gegenüber auf die andere Seite des Tisches. „Schottisches Englisch, wenn man es genau nimmt. Man hört den Unterschied, aber Schottland ist etwas komplizierter.“ Sie verdrehte die Augen. „Es gibt offiziell drei Amtssprachen. Scots und Gälisch werden zwar in der Minderheit gesprochen, aber sind beide nicht totzukriegen.“

Scots? Ich habe schon mal was von Gälisch gehört, aber Scots?“ Ich schüttelte den Kopf und ließ meinen Blick über die Tafel gleiten. Etwas zu prunkvoll, aber ich war angetan. Mit einem Überschuss an Besteck konnte ich umgehen, nicht umsonst war meine Schwester gelernte Hotelfachfrau und warf gewöhnlich mit ihrem (Besser-)Wissen um sich.

Ein Dialekt. Gälisch wird nur von einem Prozent der Schotten gesprochen.“ Sie sah mich an, als wolle sie ohne Worte ausdrücken, was sie als Nächstes zu sagen hatte. „Natürlich lande ich bei den wenigen, die diese verrückte Sprache sprechen und ihr Bestehen hartnäckig verfechten.“

Aha.“ Ja, Murphys Law schlägt bei meiner großen Schwester gerne zu. „Ein Prozent, ja?“

Sie knurrte und sah an mir vorbei. „Es gibt auf Skye sogar eine gälische Hochschule, rate, wer sie sponsert.“

Ich kicherte. Ich brauchte nicht raten, sie hatte es schon verraten.

A ghràidh, entschuldige.“

Sie wird nicht mit uns speisen?“ Vanessa stieß den Atem aus. „Ich hatte gehofft …“

Wie erwartet.“ Ian setzte ein Grinsen auf. „Ich muss mich bei dir für das rüde Verhalten meiner Mutter entschuldigen, Katharina. Sie ist leider nicht gruppenkompatibel.“

Nette Umschreibung. „Womit genau stieß ich ihr nun vor den Kopf? Vanessa war mit meinem Aufzug zufrieden.“ Nicht, dass es mich interessierte, aber es gefiel mir, seine Aufmerksamkeit auf mich zu lenken. Seinen Blick auf mir zu spüren und mir vorzugaukeln, ein Mann wie dieser könnte Interesse an mir haben. Ein reicher Mann mit einem schäbigen Schloss und einem Drachen als Mutter?

Ja, manchmal war ich hoffnungslos bescheuert. Oder so ausgehungert nach männlicher Aufmerksamkeit, dass ich selbst meinem Schwager hinterherlechzte?

Schön, Felix hatte erst wieder Interesse an mir gefunden, als ich ihn vor vollendete Tatsachen gestellt hatte: die Trennung. Aber in den drei Jahren zwischen Kennenlernen und dem Aus war ich ihm häufig sprichwörtlich am A… vorbeigegangen. Es hatte ihn nicht interessiert, wo ich war, hinging oder was ich tun wollte. Gemeinsamkeiten hatten wir keine und so drifteten wir immer mehr auseinander.

Mach dir darüber keine Gedanken.“ Ian griff nach Vanessas Hand und lächelte sie an. „Habt ihr schon Pläne? Wirst du mich involvieren, oder werde ich auf deine Gesellschaft verzichten müssen?“

Es ging offenbar auch anders, denn diese Frage hatte Felix mir nie gestellt. Zugegeben ich ihn auch nicht oft, aber mit meinem Ex und dessen Konsorten abzuhängen, war schnell zu einem No-Go geworden. Seine Clique bestand aus einem Haufen Spiele-Nerds, die das Sonnenlicht scheuten und ihre Mahlzeiten lieber flüssig als fest einnahmen. Wie gesagt, unsere Schnittpunkte waren rar gewesen und keiner hatte sich um Besserung bemüht. Die Vergangenheit schob ich schnell aus meinem Fokus, schließlich hatte ich lang genug Gedanken an diese Beziehung verschwendet, bevor ich meinen Entschluss endlich in die Tat umgesetzt hatte. Weg mit dem alten Hut, weg mit der Gleichgültigkeit und der lähmenden Routine.

Irgendwie habe ich es verschwitzt, Pläne zu machen.“ Vanessa verzog den Mund. „Wir sind spontan, nicht wahr?“

Klar.“ Wobei ich nur von mir sprach, von Vanessa wusste ich es besser. „Vielleicht schauen wir uns die Schule an?“

Bitte?“ Sie schüttelte verwirrt den Kopf.

Die gälische Hochschule“, griff ich auf und beglückwünschte mich. Ian strahlte mich an. Gut, es war ein blödes, unpassendes und gemeines Spiel, aber wenigstens für kurze Zeit wollte ich in der Vorstellung schwelgen, nicht nur Vollidioten anzuziehen, sondern Männer mit Substanz.

Du interessierst dich für die gälische Sprache? Vanessa hat ihre liebe Mühe damit, aber ich muss gestehen, dass meine Versuche, Deutsch zu lernen, ebenfalls eher mühsam sind.“ Er lachte auf. „Sie sagt, mein Akzent sei grauenvoll!“

Für die Hochschule. Ich studiere und finde Alternativen immer sehr interessant.“

So?“ Ians blaue Augen funkelten interessiert. „Darf ich fragen, was ihr Studienfach ist?“

Jurisdiktion. Ich studiere Recht.“ Was ein weites Thema war und fürchterlich aufwendig. Tja, oder ich gestand ein, zu abgelenkt gewesen zu sein, um mich auf mein Studium zu konzentrieren.

Spannend!“

Oh ja.“ Ich grinste, was etwas verwackelte, als Ian sich an Vanessa wandte und ihre Hand drückte.

Ich habe Wirtschaft studiert, kann aber nicht behaupten, dass viel hängengeblieben wäre. Nur gut, dass ich meine Vanessa habe, die mich immer daran erinnert, den Ball flachzuhalten.“ Er feixte, während Vanessa die Augen verdrehte. Ich war irritiert, dachte mir aber nichts weiter dabei. Verwirrung war vorprogrammiert, wenn man sich eine Weile nicht in seiner Muttersprache verständigte.

Du bist ein Verschwender, Ian.“

Und du die Knauserin!“ Er hob ihre Hand und drückte sie an seinen Mund. „Wir passen zusammen, wie die Faust aufs Auge.“

Schön, es war wohl Zeit einzusehen, dass die beiden sich tatsächlich gesucht und gefunden hatten — verrückt, wie sie waren.

2. Ein Blick in die Ferne

Der Aufstieg zu den Fairy Pools nahm kein Ende. Ich wischte mir den Schweiß von der Stirn und wich erneut entgegenkommenden Touristen aus. Meine Schwester lachte in meinem Rücken.

Ganz schön was los hier.“ Vanessa sah dem Pulk an Touristen feixend nach. „Wenn das letztes Jahr so gewesen wäre …“ Sie hakte sich bei mir ein und zog mich weiter.

Ich verstehe nicht, warum man hier hochkraxelt, wenn man eigentlich zu einer Beerdigung will.“ Absolut unverständlich, wenn man mich fragte, aber Vanessa war ein Sonder-Fall. Sie war immer schon von ihren eigenen Dämonen und Hirngespinsten getrieben worden. Erst ihre perfekte Ehe mit Jörg, inklusive fanatischem Kinderwunsch und anschließend ein nimmer endendes Bad in Selbstmitleid.

Vanessas Seufzen trug ganze Dramen in sich. „Ich glaube, ich wollte einfach nur weg von meiner Schwiegermutter. Du hast sie erlebt, und da war sie noch handzahm.“

Wenn man das handzahm nennen konnte …

Ich habe mir erst hier oben Gedanken gemacht, ob ich auf dem richtigen Weg bin.“ Vanessa lenkte uns an den Rand, um eine weitere Touristen-Stampede durchzulassen. Hier musste es etwas umsonst zu geben, bei dem Andrang. Mich vorbeugend verfolgte ich den unebenen Weg, der sich in den Berg grub. Es kam mir nicht so vor, als näherten wir uns unserem Ziel.

Hier? Vani …“ Ich schüttelte den Kopf. „Du bist hoffnungslos.“

Wieder seufzte sie. „Ich bin selbst, als ich ahnte, dass ich hier nicht zur Kapelle finden würde, weiter geradeaus gegangen, nur um nicht aus Versehen doch noch der Duchess über den Weg zu laufen.“

Hoffnungslos. Mir blieb nur, den Kopf zu schütteln und das Wundern einzustellen.

Na, komm, es ist noch ein Stück!“

Obwohl ich es geahnt hatte, stöhnte ich verzweifelt. Als meine Schwester vorgeschlagen hatte, die Fairy Pools zu besichtigen, hatte sie verschwiegen, dass damit eine Kletterpartie einherging. Ich hätte mich sonst herausgeredet.

Der Anblick ist es wert, Katharina, glaub mir, er ist atemberaubend.“

Kein Wunder, wenn man bis oben auf den Berg kam, war man so fertig, dass einem automatisch der Atem wegblieb.

Warum noch gleich?“ Mein Spott war verschwendet, aber ich hatte es auch nicht anders erwartet. Vanessa überhörte Sarkasmus und Ironie, egal wie dick er aufgetragen wurde.

Der Auflauf hier?“ Vanessas Hand fasste meine und zog mich resolut den Weg hinauf. Einen Moment war ich verblüfft. Meine Schwester und Tatkraft passte zusammen, wie Sommer und Schnee.

Catrionas Buch, Mystic Pools, spielt hier.“

Und Catriona ist wer?“ Hier musste ich meine Verfehlung eingestehen. Ich hatte mir in den Jahren angewöhnt, abzuschalten, wenn Vanessa mit mir sprach. Erst waren es nur Vorhaltungen gewesen, wie sorglos und verschwenderisch ich sei, und dann ging es in endlose Litaneien über, wie schlecht es ihr ginge und warum.

Ians jüngste Schwester, sie ist doch Autorin. Ich glaube, Enchanted Dùn wurde gerade übersetzt und sollte bald auch in Deutschland auf den Markt kommen.“ Vanessa wich einem Findling aus, der mitten aus dem Weg wuchs. Kopfschüttelnd ließ ich mich weiterziehen. Warum wurde so etwas nicht aus dem Weg geräumt?

Deine Schwägerin also. Die Beliebte.“ Es war einfacher, Etiketten auf die Personen zu kleben, um sie auseinanderzuhalten, es waren einfach zu viele.

Ealasaid ist …“, begann Vanessa, brach dann aber ab, um kichernd einzustimmen: „Ja, die Schwägerin, die ich leiden kann.“

Ich stieß mir den Zeh und fluchte.

Ist es noch weit?“

Stell dich nicht so an. Als ich zum ersten Mal hier hoch bin, trug ich Pumps!“

Was für meine Schwester keine große Sache sein sollte, lief sie doch arbeitsbedingt häufig auf Stelzen herum. Dass ich die Augen verdrehte, bekam sie mit, ließ es aber unkommentiert durchgehen.

Ein paar Höhenmeter sind es noch, aber …“

Der Ausblick wäre es wert, ja, ja!

Folgsam hielt ich den Mund und schleppte mich weiter. Es war wohl offensichtlich, dass es mir an Ausdauer mangelte und daran trug allein ich die Schuld. Zu Beginn meines Studiums hatte ich noch regelmäßig das campuseigene Sportangebot genutzt, aber mit der Zeit — nein, mit Felix — war ich faul geworden. Auch das konnte ich zum Ende der Semesterferien in Angriff nehmen, ebenso wie die Verbesserung meiner Leistungen, denn inhaltlich war kaum etwas von den letzten beiden Studienjahren hängengeblieben.

Verflixt, das ist jetzt aber nicht lustig!“ Vanessa riss mich aus der Selbstbetrachtung. Vor uns befand sich ein Pulk Menschen und mehr als Rücken und Hinterköpfe waren nicht auszumachen. „Müssen wir uns echt anstellen?“

Ihr Verdruss war putzig und beflügelte meine Laune. Fröhlich zwinkerte ich ihr zu und stellte mich an. „Ist sich die Herzogin etwa zu fein, um unter Gemeinen anzustehen?“

Pft!“ Sie verschränkte die Arme, reihte sich ein und sah zur Seite, als sie murmelte: „Ich hätte das Areal räumen lassen sollen, wie Ian vorschlug.“

Ich lachte auf. Meine Schwester das elitäre Wesen, ja, das passte zu ihr!

Und einen Shopper benutzen, anstatt hier zu Fuß hochzukraxeln!“ Die Schlange bewegte sich langsam vorwärts, kam zum Stehen und setzte sich wieder in Bewegung. Vanessa hatte ausgiebig Zeit, mich auszuschimpfen, daher stellte ich auf Durchzug. Endlich näherten wir uns dem Kopf der Gruppe. Ein Rauschen übertönte Vanessa und deutete auf fließendes Wasser hin. Endlich traten wir durch die Öffnung im Felsen auf ein Plateau, von dem man tatsächlich einen sagenhaften Ausblick hatte. Das Gedrängel nahm ab und ich konnte meinen Blick über das Panorama schweifen lassen. Vor uns lagen die Fairy Pools, was Vanessa mir nicht noch einmal sagen musste, es aber trotzdem tat. Es folgten noch ein Haufen Erklärungen und Geschichten, wie der Ort an die Bezeichnung gekommen war, die ich aber gekonnt ausblendete. Der Anblick genügte vollauf, um meine Sinne gefangen zu nehmen. Das Farbenspiel des Sees unterhalb von uns, der Regenbogen, der sich in dem gigantischen Wasserfall brach und der Krach, den das rauschende Wasser produzierte, als es über die Klippen ging und in die Tiefe stürzte. Ich verfolgte fasziniert den Fall. Unten gab es einen riesigen Bereich mit aufgewühltem Wasser, dann der Nebel, der über allem lag, ein Vorhang feinster Tropfen. Selbst hier oben spürte man ihn auf der Haut und in jedem Atemzug. Ich schloss die Augen, um mich für einen Moment auf meine Sinne zu konzentrieren. Es schmeckte anders, als ich es von Wasser gewöhnt war.

Langfinger!“ Vanessas Kreischen riss mich aus der Betrachtung des Naturschauspiels. Automatisch machte ich einen Schritt zur Seite, denn die Warnung konnte nur auf mich gemünzt sein. Jedem anderen hätte sie etwas Englisches zugerufen. Ich stieß gegen das dicke Tau, das den Bereich absperrte, und musterte die Umstehenden scharf. Vanessa verstellte einer jungen Frau den Weg, als sie Richtung Torbogen verschwinden wollte. „Was haben Sie gestohlen?“

Meine Hand zuckte zu meiner Umhängetasche, die mit einem Magnetverschluss geschlossen war und zusätzlich einen Reißverschluss hatte. Beides war offen. Mein Blick folgte meinen Fingern ungläubig. Ich hatte nichts bemerkt!

Und wurde von etwas Glitzerndem, das auf dem Boden lag, abgefangen. Falsche Steine reflektierten Sonnenstrahlen, Steine, die mein Sternzeichen auf blauer Emaile nachbildeten. Mein Schlüsselanhänger!

Ich bückte mich um ihn aufzuklauben, während Vanessa sich um die Taschendiebin kümmerte. Sie bekam Unterstützung durch einen Mann, was mir allein eine tiefe Stimme verriet, denn meine Aufmerksamkeit war einzig auf meinen Schlüssel gerichtet. Mein Knie schrappte über lose Steine und ich streckte mich immer weiter, um ihn zu erreichen. Ich musste nachrutschen, während hinter mir nach dem Sachverhalt gefragt wurde und jemand keifend alle Schuld von sich wies. Endlich berührten meine Fingerspitzen das kühle Metall, aber ich war noch nicht nah genug, um es auch greifen zu können, also krabbelte ich weiter vor. Mein Mofaschlüssel hing über den Rand der Klippe. Erleichtert, ihn gerettet zu haben, stand ich auf, um den Beweis, dass die Frau an meiner Tasche gewesen war, in die Luft zu heben. Mich drehend bekam ich einen Schubs. Vermutlich unbeabsichtigt, denn die Frau stieß gegen mich, als sie versuchte, meiner Schwester auszuweichen.

Ich kippte, riss die Augen auf und fing Vanessas Blick auf. Ihre Lippen formten meinen Namen, aber ich konnte ihn nicht hören. Das Rauschen nahm überhand, als ich sie aus den Augen verlor. Die Zeit blieb stehen, während ich verdutzt verfolgte, wie mein Blickfeld sich Stück für Stück änderte.

Verflixt, wie tief fiele ich wohl? War es von Bedeutung? Sicherlich war die Wasseroberfläche hart wie Stein, egal ob aus zehn oder hundert Metern und mein Aufprallwinkel war alles andere als optimal. Ich schlüge frontal mit dem Rücken auf, was schrecklich wehtäte. Bräche ich mir dabei das Genick? Moment, wie tief war der Pool hier? Selbst wenn ich den Aufschlag auf die Wasseroberfläche überlebte, wenn der Grund nicht tief genug lag … Ach, verdammt!

Ich war zu jung, um zu sterben. Wut mischte sich mit meiner Überraschung und wandelte sich ebenso schnell in Trauer. Eine eigene Familie wäre nett gewesen. Ein Baby, ein liebender Ehemann … Das war nicht fair!

Moment, irgendwie klang ich jetzt schon wie Vanessa.

Wasser schlug über mir zusammen und einen Moment lang verdrängte der Schmerz alles andere aus meinem Fokus. Die Augen aufgerissen sah ich, wie tausende Bläschen sich in die entgegengesetzte Richtung bewegten und ein kleiner Teil meines Gehirns merkte an, dass ich besser meine Richtung überdachte.

Ach ja, und den Mund schloss.

Ich biss mir auf die Lippe, was mir zumindest half, mein Entsetzten abzuschütteln, handeln konnte ich trotzdem nicht. Über mir färbte sich das Wasser rot. Der Atem ging mir aus, meine Lungen schrien nach Luft, während meine Glieder ihrem Befehl zu rudern nicht nachkamen. Scheiße!

Das Rot füllte mein Blickfeld aus, bevor dessen Ränder dunkler wurden und sich dann blitzschnell zusammenzogen. Oh, nein, eine Ohnmacht war das Letzte, was ich nun gebrauchen konnte. Leider kam ich nicht dagegen an.

3. Eine etwas andere Rettung

Licht gleißte auf, funkelte, drehte sich wild im Kreis. Etwas zog an mir. An meinem Haar, das sich aus dem lockeren Dutt in meinem Nacken gelöst hatte, an meiner Kleidung, die sich mit Wasser vollsog und mich unerbittlich hinab zog. Aber da war noch etwas. Etwas, das mir zusätzlich die Luft abdrückte, Luft, die ich gar nicht mehr haben dürfte.

Und doch …

Ich brach durch die Oberfläche, was ich nur durch die plötzliche Wärme auf meinen Wangen bemerkte. Ich schnappte nach Atem, gierig und verzweifelt zugleich, nur um doch Wasser zu schlucken. Ich prustete, kämpfte mich los, oder versuchte es zumindest.

Endlich ließ die Wand aus Wasser nach und ich bekam frische, wenn auch feuchte Luft in die Lungen. Gierig konzentrierte ich mich nur darauf zu atmen. Ein, aus, ein …

Das reine Glück schoss durch meinen Körper. Mir war danach zu lachen. Allerdings wurde der Laut augenblicklich abgewürgt. Eine Hand presste sich auf meinen Mund. Erneut fehlte mir der Atem und ich begann sofort mich zu wehren. Das Ergebnis war nicht, was ich im Sinn hatte, denn anstatt die Pranke loszuwerden, die mir Mund und Nase zudrückte, legte sich auch noch ein Stahlband um meine Mitte, das beide Arme an meinen Körper presste und mich bewegungslos zurückließ. Da ich an eine harte Mauer in meinem Rücken gepresst, und heißer Atem über meine Wange krabbelte, während unverständliche Worte gemurmelt wurden, korrigierte ich gedanklich das Stahlband mit Arm, auch wenn es sich nicht anfühlte, als wäre etwas Menschliches um mich herum.

Wieder zischte mir die dunkle Stimme ins Ohr, wobei sich der Druck auf mein Gesicht und um meine Rippen erhöhte. Mir schwanden die Sinne.

Halb ohnmächtig registrierte ich, dass ich aus dem Wasser gezogen und hochgehoben, dann abgelegt und zugedeckt wurde. Obwohl die Dunkelheit um meine Sinne sich wieder zurückzog, ließ ich die Augen geschlossen. Stimmen schwirrten um mich herum, aber ich verstand kein Wort, zum Teil, weil sie gegen das übermächtige Rauschen des Wasserfalls zu leise waren, aber auch, weil die Worte einfach keinen Sinn ergaben. Also weder Deutsch noch Französisch, was ich sogar besser beherrschte als Englisch. Ein unschöner Gestank legte sich auf mich, menschliche Ausdünstungen der feinsten Sorte gepaart mit Rauch. Es war unmöglich zu atmen, ohne in ein Gebell auszubrechen und es wurde zunehmend schlimmer.

Meine Neugierde zwang mich, zu blinzeln. Helle wurde ich dadurch nicht. Das Feuer lag nicht auf meiner Augenhöhe, sondern irgendwo hinter mir oder über mir, je nachdem wie man meine Lage beschreiben wollte. Jedenfalls beleuchtete es die Umgebung nur unzureichend und reflektierte nicht einmal an den Wänden. Die Höhle musste riesig sein und besaß eine massive Decke. Die einzigen Lichtquellen waren das vom Wasser gefilterte Sonnenlicht und das Lagerfeuer, von dort kamen die Stimmen, der Gestank und alles Weitere. Gut, die schwere Decke, die auf mir lag, roch auch nicht besser und ich entledigte mich ihrer nur nicht, um keine Aufmerksamkeit auf mich zu ziehen. Alles in mir rebellierte, mein Magen vornweg. Galle stieg mir in den Mund, die Semidunkelheit pulsierte vor meinen Augen und meine Gliedmaßen sackten weiter herab, als ich versuchte mich zu bewegen. Ganz abgesehen von meinem Kopf, der schmerzte. Vanessa war die Wehleidige von uns, aber wenn das, was mein Kopf jetzt durchmachte, Migräne war …

Nein, soweit kam es noch, dass ich mich schuldig fühlte, weil ich ihr nie ein Wort geglaubt hatte, wann immer sie beteuert hatte, sich nicht wohlzufühlen und nicht aufstehen zu können.

Schritte knirschten nahe an meinem Ohr, ließen meinen Schädel beinahe bersten. Es riss mich aus meiner Selbstbetrachtung und zurück in diese merkwürdige Situation. Irgendwas war hier absolut …

Über mir erschien eine dunkle Silhouette. Langes Haar hing über seine Schulter und ging nahtlos in eine Art Rauschebart über. Wohlgemerkt in einen in der Mitte geflochtenen Bart, dessen Ende meine Stirn kitzelte.

Raue Worte ergossen sich über mich. Mein Blinzeln fasste der Mann so auf, dass ich eine Wiederholung benötigte und nicht, dass ich kein Wort verstand. Diese Schotten übertrieben es mit ihrem Aufleben alter Gepflogenheiten deutlich. Schön dass sie ihre alte Sprache wieder verbreiten wollten, aber zur Verständigung mit nichtgälischsprechenden Menschen wäre es sinnvoll, es mit Englisch zu versuchen!

Mal abgesehen davon, dass Rauschebärte gepflegt werden wollten und damit meinte ich nicht, verziert, sondern gewaschen, schamponiert und mit Pflegeprodukten behandelt.

Was?“ Gut, das war unhöflich und vermutlich wäre ich mit einem Wie bitte besser gefahren, denn der Typ spuckte mir fast ins Gesicht, griff mir ins Haar und zwang mich praktisch in eine sitzende Position. Kaum saß ich ihm vis-à-vis gegenüber, pikste mich die Spitze eines Messers in den Hals.

Ich war zu überrascht, um zu reagieren.

Ein zweiter Typ, ein bis auf die Haut durchweichter junger Mann, tauchte hinter dem Hünen auf, griff nach dessen Arm und zog die Hand mit dem Dolch zurück, dessen schimmernde Klinge mir nun deutlich ins Auge fiel. Ich war beileibe keine Expertin, was Stichwaffen anbelangte, aber diese war ungewöhnlich. Und unhandlich, ein Klappmesser wäre besser zu verstecken und jedes Militärmesser zweckmäßiger, aber das Teil war riesig, schwer und auch noch blutverkrustet.

Okay, hier lief etwas so gar nicht, wie es sollte.

Die beiden Fremden stritten sich, wobei sie abwechselnd mich ansahen, beide an mir herumzerrten und immer wütender wurden. Schließlich zückte auch der Zweite, der Nasse, einen Dolch. Er war nicht weniger massig, haarig, oder aggressiv, was mir ein schmerzliches Zusammenziehen meines Magens bereitete. Meine innere Stimme meldete sich und warnte mich Deckung zu suchen. Gefahr lauerte und mein Körper reagierte mit einer noch nie zuvor dagewesenen Gänsepelle.

Der Griff in meinem Haar lockerte sich und ich wurde zur Seite gezogen. Für einen Moment verlor ich die Kontrahenten aus den Augen, weil ich auf dem Steinboden landete und mich erst aufrappeln musste, dann war nichts mehr zu sehen, als sich rangelnde Männer. Fäuste flogen, die Schneiden blitzten auf und Haar wirbelte durch die Gegend. Weitere Gestalten tauchten auf, leise, fast lautlos, rangen sie beide nieder. Eine Diskussion entbrannte, aber kein Geschrei, alles blieb gedämpft unter dem mächtigen Rauschen des Wasserfalls. Keiner beachtete mich, was meine Chance zu entkommen war, leider konnte ich sie nicht nutzen. Meine Glieder bebten, als ich mich aufstemmte, es war aussichtslos. Weiter als zur rauen Felswand kam ich nicht, dort zog ich die Beine an. Nun erst wurde mir bewusst, wie kalt mir war. Alles tat mir weh, mein Rücken, jede Faser in mir und mein Kopf sowieso. Die Arme um mich schlingend, legte ich den Kopf ab. Eine scharfe Kante drückte sich in meinen Hinterkopf, also ließ ich ihn nach vorn fallen und legte die Stirn auf den Knien ab. Was für eine merkwürdige Situation. Der Gedanke stockte, drehte sich und ließ eine bedeutende Frage aufkommen.

Wo zum Teufel … Mein Hirn nahm wieder Fahrt auf und ich erinnerte mich, wie ich gestürzt war.

Einen Arzt.“ Mein Schädel explodierte sicherlich, zumindest hatte ich das Gefühl, als ich den Kopf zurückriss. „Ich muss ins Krankenhaus!“

Sassenach!“, brüllte der Zottelbart und stürmte auf mich zu. Der Dolch hob sich und mein Herz setzte aus. Nee. Das konnte doch nicht sein. Wie daneben war das?

Ich ging davon aus, in einem Schauspiel gefangen zu sein, weshalb ich nicht wirklich verängstigt war, sondern eher verwundert. Klar, meine Kopfhaut brannte noch von seiner rüden Behandlung, abgesehen von meinen schwerwiegenderen Blessuren selbstredend, aber das alles machte doch gar keinen Sinn!

Ich sah dem Kommenden also unerschrocken ins Auge, sprich einem riesigen Berg von einem Mann — nicht unähnlich meinem Schwager, nur deutlich ungepflegter — der mit gezücktem Dolch näherkam und mich ganz sicher nicht vor einer Ratte retten wollte, die womöglich über meinem Kopf auf einem Felsvorsprung hockte.

Sguir dheth!“, röhrte der nasse Typ, nicht minder massig, aber immerhin nicht gestylt wie der böse Onkel des Weihnachtsmanns. Er fing den Arm mit der schillernden Klinge ab und riss den Angreifer herum.

Tha i na Sassenach!“

Erneut entbrannte ein Streit, lauter dieses Mal und wieder mischten sich drei weitere Personen ein. Zwei von ihnen trugen lange Kleider, der Letzte einen dieser Schottenröcke, alle drei trugen ihr langes Haar offen. Es schwang bei jeder Bewegung mit und hatte einen hypnotischen Effekt auf mich. Meine Lider wurden schwer, das Sehen zu anstrengend in der Dunkelheit der Höhle und dem flackernden, viel zu spärlichen Licht des Feuers. Also schloss ich die Augen, nur für einen Moment, um Kraft zu sammeln, bevor ich auf ärztliche Versorgung bestehen würde und darauf, den Irren wegzusperren, der mich mit einem Dolch bedroht hatte. Allerdings blieb dies ein Aktionsweg, der ausschließlich in meinem Kopf Entfaltung fand.

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Einen schönen Tag der Liebenden!

Es ist immer schön, wenn etwas selbstverständliches begossen werden kann, eben wie die Liebe. Aber braucht es einen festgelegten Tag, um den Herzensmenschen eine Freude zu bereiten?

Und zu welchem Mittel greift man? Schokolade? Blumen? Doch etwas teureres? Ich fühle mich jeden Tag geliebt, denn schon eine Tasse Kaffee ans Bett zeigt mir die Liebe meiner Mitmenschen. Ein Lächeln, ein Blick, der denselben Gedanken teilt, eine Einladung …

Aufwendige Geschenke mag ich nicht, egal zu welchem Anlass. Ein Buch jedoch nehme ich immer gerne auf! Daher habe ich mich mit meinen Kolleginnen dazu entschlossen, unseren neuen Roman passend zum Tag des Verliebtseins herauszubringen.

VÖ Amor 1bokeh-1780122_1920

Wenn es also weder Süßes, noch etwas Pflanzliches sein soll, verschenkt doch eine kleine, humorvolle Liebesgeschichte mit allerhand Wandlungen …

Eure Katherine!

 

Gewinnspiel

20200130_122607Der heilige Valentinus lässt grüßen!

Oder war es doch Amor, der hier die Finger im Spiel hat?  Zumindest ist der heute für mich der Wichtigere. Ab dem 14.02.2020 könnt ihr Amor in „Liebeswirren in Venedig“ besser kennenlernen.

 

Zu diesem Anlass könnt ihr das Printbuch mitsamt einigen Goodies gewinnen.

 

Klapptext:

Venedig im Karneval 1910

Frauenrechte? Nicht mit den römischen Göttern! Um dem neumodischen TreibenVÖ Amor 1bokeh-1780122_1920 Einhalt zu gebieten und die alte Ordnung wiederherzustellen, begibt sich Amor in Gestalt den Druckereibesitzers Arthuro in die Lagunenstadt. Dumm nur, dass er sich den Zorn der jungen Bernadetta zuzieht, die sein Geschäft ruinieren will. Sie stiftet jede Menge Verwirrung und sorgt dafür, dass auf den Maskenbällen allerlei frivoles Treiben herrscht, worunter vor allem der konservative Adlige Franco zu leiden hat. Dann richtet sich Amors Elixier zu allem Überfluss auch noch gegen ihn selbst und er entbrennt in heißer Liebe -für einen Mann!

 

20200130_130635Was dafür zu tun ist? Erzählt mir von eurem schlimmsten Valentinstag!

Aus allen Kommentaren, die bis zum 20. Februar um 13:00 Uhr eingehen lose ich die drei Gewinner*innen.

 

Teilnahmebedingungen und Datenschutzhinweis:
Teilnahme ab 18 Jahren.
Keine Barauszahlung des Gewinns.
Kein Ersatz beim Verlust auf dem Postweg.
Der Rechtsweg ist ausgeschlossen.
Persönliche Daten, die ihr mir im Gewinnfall übermittelt umfassen Klarnamen und postalische Anschrift und eventuell die E-Mail-Adresse. Sie werden nur für das Gewinnspiel verwendet und anschließend umgehend wieder gelöscht.
Durch eure Teilnahme erklärt ihr euch bereit, mir im Gewinnfall diese persönlichen Daten zu übermitteln und seid mit der obengenannten Handhabung einverstanden.
Das Gewinnspiel steht nicht in Verbindung zu Facebook oder anderen Sozialen Medien, auf dem dieses Gewinnspiel gepostet wird.

Liebeswirren in Venedig

 

Venedig im Karneval 1910
Frauenrechte? Nicht mit den römischen Göttern!

Um dem neumodischen Treiben Einhalt zu gebieten und die alte Ordnung wieder herzustellen, begibt sich Amor in Gestalt des Druckereibesitzers Arthuro in die Lagunenstadt. Dumm nur, dass er sich den Zorn der jungen Bernadetta zuzieht, die sein Geschäft ruinieren will. Sie stiftet jede Menge Verwirrung und sorgt dafür, dass auf den Maskenbällen allerlei frivoles Treiben herrscht, worunter vor allem der konservative Adlige Franco zu leiden hat.Dann richtet sich Amors Elexier auch noch gegen ihn selbst und er entbrennt in heißer Liebe – für einen Mann.

 

2020 – Ein weiteres Jahr voller Termine

Die Zeit rennt. Da erzähle ich euch sicherlich nichts neues. Ich empfinde es jedoch als äußerst erschreckend. Ich erinnere mich noch gut an meine Tarotsitzung Ende 2018, in der es grundsätzlich hieß, ich müsse das Jahr durchstehen, um in 2020 dann mein Ziel zu erreichen. So weit, so gut …

Nun ist es da, das neue Jahr und lockt mit allerhand Versprechungen. Einige feste Termine habe ich und auch einige Baustellen, die ich abarbeiten möchte und auch werde. Für euch ein kleiner Überblick:

01.01.2020 Veröffentlichung „Schatten deiner Liebe“

Amazon Thalia

14.02.2020 Veröffentlichung „Liebeswirren in Venedig“

13.03.2020 Leipziger Buchmesse Wochenende

14.03.2020 LBM

09.05.2020 UniCon Kiel

10.05.2020 UniCon Kiel

15.05.2020 Lesung aus „Schatten deiner Liebe“ und „Hochzeitsplaner nicht inbegriffen“                        in der Stadtbücherei Hohenlimburg (Stennerstr 6-8)

16.05.2020 Fabula est in Solingen

15.10.2020 Veröffentlichung „Love Shot 20“

16.10.2020 FBM

17.10.2020 FBM

31.10.2020 Buchpassion Köln

XX.11.2020 Buch Berlin

 

Meine weiteren Veröffentlichungen in diesem Jahr haben noch keinen genauen Termin, da ich mir gerne Zeit lasse und meine Planung auch schon mal umwerfe. Allerdings sind vier VÖ´s vorgesehen, darunter mein zweiter Gay Romance und der zweite Teil der „Ein Hotel in den Highlands“-Reihe.

Mein Schreibplan ist voll, widme ich mich doch sowohl der Gay Romance und dem Love Shot erst im Laufe diesen Jahres. Außerdem schreibe ich an einem historischen Roman und möchte zwei meiner Romane überarbeiten. „Hawk“ und „Du sollst nicht begehren …“ sollen neben „Lady Madeline in Not“ nicht nur ein neues Gesicht bekommen, sondern auch textlich bearbeitet werden. Nebenbei stehen einige halbfertige Projekte bereit, endlich beendet zu werden.

Ich habe viel vor und freue mich schon darauf, jeden Punkt aufgreifen zu können!

Was steht bei euch so an?

 

Alles Liebe, eure

Katherine

 

Frohes Weihnachtsfest!

Zum Jahresende der obligatorische Rückblick.

Obwohl ich noch gar nicht bereit bin, dieses Jahr ziehen zu lassen. Es verging in eigentümlicher Hast, wenn man mich fragt und irgendwie bin ich noch nicht fertig. Es gibt noch so viel, was ich in diesem Jahr machen wollte und nun noch aussteht. Irritierend.

Immerhin habe ich eine erstaunliche Liste tatsächlich abgehakt:

  1. Der Fluch von Abbington Hall
  2. Lord Everhams Spiel um die Liebe
  3. Heiße Küsse und ein Schottenrock
  4. Per Postkutsche ins Glück
  5. Eine Zeitreise in die Highlands
  6. Schatten deiner Liebe
  7. Ein Schotte zum Küssen
  8. Der Weihnachtsball des Earls

Nach zwanzig Jahren ist zum Beispiel meine aller erste Geschichte endlich auf dem Markt – Juchie! Zwar musste ich den Titel von Schatten der Vergangenheit in Schatten deiner Liebe ändern, aber ich hatte seit Jahren das Gefühl, mit der Story nie zu Rande zu kommen. Nun habe ich es doch geschafft und bin unendlich Stolz auf mich.

Außerdem habe ich zwei Zusammenarbeiten mit meiner hinreißenden Kollegin Bettina Kiraly veröffentlicht und habe gleichzeitig zwei weitere geschrieben, bzw. schreibe aktuell am zweiten.

Einige Projekte habe ich abgeschlossen:

  1. Schatten deiner Liebe
  2. Per Postkutsche ins Glück
  3. Ein Schotte zum Küssen
  4. Amor
  5. Hearts on fire

Und so viele neue Ideen skizziert!

  1. Lord Everham bekommt eine Vorgeschichte
  2. Im Schlosshotel Farquhar ziehen weitere Gäste ein, um sich zu verlieben
  3. Weitere heiße Küsse werden getauscht
  4. Eine Seele wird wiedergeboren
  5. Ein Cop verliebt sich in die Falsche
  6. Ein Anderer in die taffe Kollegin
  7. Mara Wagner geht auf Schifffahrt
  8. Ein Meeresbiologe erkundet menschliche Biologie
  9. Eine Firma macht erotische Partys
  10. Eine vermeintliche Witwe hat es einem Lord angetan
  11. Ein Lehrer überschreitet Grenzen
  12. Ein Feuerwehrmann begeht seine höchst eigennützige Heldentat

Ich habe allerhand Messen besucht:

  1. Verlagstreffen Stuttgart
  2. LBM
  3. UniCon Kiel
  4. Buchmesse Hofheim
  5. Wülfrather Lesemarathon
  6. FBM
  7. BuchBerlin

Ein volles Jahr, da auch familiär einiges los war. Grundsätzlich bin ich bereit, nun abzutauchen und mich auf das Jahr 2020 vorzubereiten. Schließlich stehen bereits die ersten Termine fest.

  1. Blogjubiläum Biblionatio
  2. Team Buchmagie – Themenwochen Depression
  3. LBM
  4. Lesung Stadtbibliothek Hohenlimburg
  5. Fabula est

Ich sinniere jetzt weiter und wünsche Euch wundervolle, entspannet Festtage und einen guten Rutsch ins neue Jahr!

 

Eure Katherine

 

Meine Präsentation – #tolino-Botschafter

Heute findet meine Präsentation statt. Wer nicht um 13 Uhr zum Authors Corners in Halle 3.0 kommen kann, muss trotzdem nicht auf meine Vorstellung verzichten.

Ich habe leider keine Slideshow, da ich mit open Office arbeite, was aber nicht stören sollte, hier bekomme ich ohnehin keine PP-Präsentation hochgeladen 😉

Hier meine Folien:

Seite 2
Ich bin Katherine Collin, 39 Jahre alt und wohne in der Nähe von Dortmund. Ich bin ein Hybridautor, veröffentliche also sowohl in Verlagen, wie auch als Selfpublisher.
Seite 3
Mein Genre ist die Liebe. Mein Spektrum reicht dabei vom historischen Liebesroman über Romantic Thrill, Chicklit, Erotik und Fantasy bis hinüber zur Gay-Romance.

 

Seite 4

Ich bin Mitglied bei der Romance Alliance, einer Gruppe bestehend aus 17 charmanten Autorinnen, die ich heute ebenfalls repräsentieren möchte. Obwohl wir sehr unterschiedlich sind, lieben wir die Zusammenarbeit und den Zusammenhalt untereinander.
Seit 2018 bringen wir regelmäßig unsere Kurzgeschichten als Love Shots heraus. Aus dieser Reihe möchte ich euch heute meine zweite Auskopplung vorstellen, der im Juni erschienen ist.

Seite 5
Bevor ich nun lese, möchte ich euch auf meine wundervolle Kollegin aufmerksam machen, die hier ist, um mich zu unterstützen.
Sie steht euch für Fragen zur Verfügung und gibt euch gerne Leseproben und unsere Romance Alliance Broschüre heraus.
Vielen Dank, Mariella, das du hier bist!
Seite 6
Der Titel meines Love Shots mit der klingenden Nummer 13 lautet
Per Postkutsche ins Glück.
Ich lese euch nun aus dem ersten Kapitel vor.

Seite 7

Seite 8
An dieser Stelle breche ich ab.
Die Leseprobe bekommt ihr an meinem Stand.
Wenn meine Geschichte eure Neugierde geweckt hat, bekommt ihr das Ebook auf allen gängigen Plattformen. Es ist auch möglich ein Print zu bekommen.
Ich stehe euch nun noch einige Minuten für Fragen, Autogramme und sonstiges zur Verfügung.

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Die Lesung kann ich hier leider auch nicht online stellen, wird aber bei Instagram und Facebook zu hören sein.

Eure Katherine

 

 

Vorbereitungen – #Tolinobotschafter

Nur noch sieben Tage!

Die Aufregung steigt und die Aufgaben häufen sich.

Mir fehlt immer noch ein Päckchen mit Leseproben und ein Karton mit Prints, die ich für meinen Verlag mitnehme.

Mein Release steht noch aus, der Frisör hat mich noch nicht gesehen und die Goddiebags sind nur zur Hälfte gepackt.

Mein Babysitter hat sich noch nicht gemeldet und die Koffer sind noch nicht gepackt – geschweige denn, das Auto 😉

Da ich drei Meet&Greets habe, möchte ich auch genügend Material mitnehmen, schließlich sind besonders die Leseproben und kleinen Geschenke üblicherweise weg, bevor man sie auf dem Tisch abgelegt hat. Außerdem möchte ich sie euch auch liebevoll präsentieren.

Meine Prints sind eher Mängelexemplare, was mich ziemlich enttäuscht. Ihr könnt euch dafür auf eine größere Menge an verschenkten Exemplaren freuen.

Ich habe mir auch noch nicht überlegt, was ich anziehen soll – und eigentlich habe ich auch gar nichts zum Anziehen …

Tja, ihr seht, ich habe noch seeeehr viel zu tun!

Wir sehen uns,

 

eure Katherine